Montag, 28. Juli 2014

Club50plus-Mitglied 'ottoedgar':

Ein Sonntagmorgen im Frühling

 

Blühender Baum

Am Sonntagmorgen, wenn die Sonne sanft die Lichter der Nacht aufgelöst hat, dabei wie ein Feuerball über dem Wald steht und das taunasse Gras trocknet, beginnt für viele Menschen ein ganz besonderer Tag. Ein Tag der Ruhe und Entspannung, an dem sich die Familie zusammen findet, um sich vom Alltagsstress zu befreien, und so gut erholt in die neue Woche zu starten.

Frühaufsteher nutzen den Sonntagmorgen, über dem fast eine göttliche Ruhe liegt, zum Kirchgang oder zu einem Trip ins Grüne. Kein anderer Morgen der Woche kann mit dem Sonntag konkurrieren. Jeder, der seine Sinne schärft, und mit offenen Augen Gottes schöne Natur erwandert, spürt das besonders an diesem von Ruhe geprägten Vormittag. Nach vielen Jahren meiner Berufstätigkeit, und heute als Rentner, ist und bleibt dieser Tag Balsam für meine Seele. Die wohltuende Stille, die in der Luft liegt, braucht der einfühlsame Mensch nur in sich aufzunehmen, um seinen inneren Frieden ins Gleichgewicht zu bringen, sowie die Schönheit der Natur immer wieder auf sich wirken zu lassen.

Für viele Menschen ist sie Arzt und Therapeut zugleich. Jedes Mal faszinieren mich die grünen Wiesen, die wie Teppiche in der Landschaft ausgebreitet sind, mit der Vielzahl von Blumen, die mich immer wieder aufs Neue begeistern. Mit Verwunderung betrachte ich die Vogelwelt zum Beispiel: Habichte, Wanderfalken oder Eichelhäher, die versuchen, den Raben ihren Platz auf den Wipfeln eines kleinen Tannenwaldes streitig machen. Doch da haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mit ihren großen Schnäbeln und viel Geschrei gehen sie fast immer als Sieger hervor. Ein paar hundert Meter weiter, in einer kleinen Sandgrube, balgen sich unter wachsamen Augen der Mutter eine Handvoll Jungfüchse in der frühen Morgensonne. Vielleicht erkennt auch ihr ausgeprägter Spürsinn das besondere an diesem Morgen. Ab und zu wird die Stille durch das heisere Krähen eines Fasans gestört, der oberhalb eines kleinen Weihers im Sumpfgebiet sein prächtiges Gefieder, zur Freude des Betrachters, zur Schau stellt. Damit möchte er zeigen: "Schaut her, ich bin der Schönste im Land".

Eine ganze Entenschar tummelt sich mit lautem Geschnatter auf dem grün schimmernden Teich und lässt darauf schließen, dass sie sich auf dem leichten Wellengang sehr wohl fühlen. Wer die Wasserfläche genau beobachtet, kann den Haubentaucher beim Fischfang bewundern. Das schnelle Ein- und Auftauchen ist Markenzeichen dieser Vogelart. Zum Abschluss meines Sonntagspazierganges, ein Bild der unberührten Natur. Nur wenige Meter auf einer Waldlichtung steht ein scheues Reh ganz unbekümmert und genießt die ersten Sonnenstrahlen, welche das Blätterdach des Waldes durchbrechen. Der einfühlsame Betrachter erfährt bei diesen Bildern, an einem einzigen Sonntag die Wunder der Natur, welche für alle Erdenbürger zum Nulltarif angeboten werden. Doch viele Menschen haben längst vergessen, sich Zeit zu nehmen, von der man glaubt sie nicht zu haben.

Man sollte sie nutzen, denn Zeit kann man nicht kaufen, nicht für alles Geld der Welt. Für mich ist es jedes Mal ein wundervoller Morgen, so lau und so weich.

Ein besonderer Morgen, der Sonntagmorgen.



© 2008 Text: Otto Kuhn, 72 Jahre, Losheim am See


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt 'ottoedgar' - so lautet sein Mitgliedsname in unserem Club50plus - ganz herzlich für diesen Beitrag. Otto Kuhn ist ehrenamtlicher Aktiver in unserer Redaktion.

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