Montag, 20. November 2017

Club50plus-Mitglied 'ottoedgar':

Heimkehr - Eine kleine Weihnachtsgeschichte

 

Weihnachtsengel

Sie waren eine glückliche Familie, bis eines Tages Not und Elend sie auseinander brachte. Aus welchen Gründen auch immer, verließ die Mutter Hals über Kopf das Haus und niemand wusste, was aus ihr geworden war. Der Mann war schuldlos wegen Modernisierung aus der Firma entlassen worden und befand sich in der Arbeitslosigkeit. Jeden Tag stellte er sich die gleiche Frage: "Warum gerade ich?"

Eine Antwort darauf gab es nicht. Die Schulden, welche der Bau des Eigenheimes mit sich brachte, waren ein großes Problem. Das größte Problem war die Tatsache, dass seine Frau ihn und den kleinen Markus, den sie doch über alles liebte, verlassen hatte. Es war eine sehr schwere Zeit für Vater und Sohn. Sie wurden aus einer scheinbar heilen Welt herausgerissen und dabei von dem Menschen, dem man am meisten vertraute und mit dem man sein Leben aufbauen wollte, bitter enttäuscht.

Tage und Wochen vergingen, bis die ersten Nachtfröste den Winter ankündigten. Die Tage wurden kürzer und dichtes Schneegestöber ließ schon richtige Weihnachtsstimmung aufkommen. An manchen Abenden stand der kleine Junge am Fenster und schaute traurig den tanzenden Schneeflocken zu. Dabei drückte er sich vor lauter Sehnsucht nach seiner Mutter die kleine Nase fast platt. Wie oft hatte er schon hier gestanden und mit traurigen Kinderaugen nach etwas Ausschau gehalten, was ihn nicht eine Sekunde seines noch jungen Lebens los ließ.

Der Heilige Abend war angebrochen. Müde geworden legte sich der kleine Markus auf die Bank vor dem Kachelofen, wobei er von den Weihnachten träumte, als sie noch eine glückliche Familie waren und zusammen unter dem prachtvoll geschmückten Tannenbaum standen und die kleine handgeschnitzte  Krippe bewunderten, welche der Opa selig noch geschnitzt hatte. Seinen größten Wunsch möchte ihm das Christkind erfüllen. Er sehnte sich danach, noch einmal so wie früher mit glücklichen Eltern unter dem Tannenbaum zu stehen und gemeinsam den Heiligen Abend zu feiern.

Mitten im Schlaf  hatte er plötzlich ein wunderschönes Gefühl. Er glaubte eine zärtliche Hand auf seinem Kopf zu spüren. Das Herz schien ihm stehen zu bleiben, als er seine Augen öffnete und die Person, die vor ihm kniete und ihn glücklich anlächelte, erkannte. Die Augen des kleinen Jungen begannen zu leuchten, sein Herz hüpfte vor Glück, und Freudentränen rannen über seine Wangen, als seine Mutter ihn in den Arm nahm und an ihre Brust drückte. Nie mehr wollte sie ihn und Vater verlassen. Der stumme, fragende Blick seiner Kinderaugen, mit denen er seine Eltern anschaute, sagte mehr aus, als alle Worte der Heiligen Nacht.

Der kleine Junge von damals ist längst schon erwachsen und hat bereits eine eigene Familie. An jedem Heiligen Abend steht er auch heute noch genauso wie damals vor der kleinen handgeschnitzten Krippe, wobei ein glücklicher Blick zu seiner Frau und den Kindern geht. Aber auch ein nachdenklicher Blick zu seinen Eltern, welche die Silberhochzeit schon längst hinter sich gebracht haben und sehr stolz auf ihre Enkelkinder sind. Die stille Nacht von damals war für sie die Nacht der Versöhnung, bis zum heutigen Tag. Weihnachten, das Fest der Liebe, hatte sie zusammengeführt und verlieh ihnen die Kraft für den gemeinsamen Lebensweg.


© 2012 Text: Otto Kuhn, 75 Jahre, Losheim am See


Otto Kuhn
Autor: Otto Kuhn


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt 'ottoedgar' - so lautet sein Mitgliedsname in unserem Club50plus - ganz herzlich für diesen Beitrag. Otto Kuhn ist ehrenamtlicher Aktiver in unserer Redaktion.



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