Mittwoch, 22. November 2017

Club50plus-Mitglied 'ottoedgar':

Geschichte zum Valentinstag: Mein schönstes Geschenk

zwei alte Mundharmonikas

Das Jahr 1956 war in meinem Leben ein denkbar schwarzes Jahr. An einem sonnigen Maitag  wurde ich als Fußgänger im Alter von 20 Jahren von einem Auto angefahren und lebensgefährlich verletzt.
Während der folgenden harten Monate im Krankenhaus bekam ich mein schönstes Geschenk - und dort traf ich auch meine große Liebe.


Ohne sich um sein Opfer zu kümmern suchte der Fahrer das Weite und konnte bis heute nicht ermittelt werden. Die Ärzte im Krankenhaus versuchten mein Leben zu retten und mich, so gut es eben ging, zusammenzuflicken.

Neun Monate absolute Bettruhe waren jetzt angesagt. Als es mir besser ging, nahm ich meine altersschwache Mundharmonika, die ich schon als kleiner Junge immer bei mir trug, und nun in meinem Nachttisch lag zur Hand, um mit dem Spiel die Schmerzen zu verdrängen, in der Hoffnung, dass es besser werden könnte.

Besuch in meinem Zimmer

Dann kam plötzlich der Sonnenschein in mein tristes Krankenzimmer, in der Gestalt eines jungen Mädchens, welches auch schon viele Wochen im Krankenhaus verbrachte. Ihr nettes hilfsbereites Wesen brachte Licht in meine trübe Welt. Dabei half sie mir durch ihre täglichen Besuche über die schwere Zeit hinweg und zeigte dabei, dass es auch Menschen gibt, die selbst viel krank sind und einem Schwerverletzten noch Hoffnung bringen. Sie war mein Sonnenschein im Krankenhaus. Ein Jahr nach meiner Entlassung haben wir uns wieder getroffen. Nach kurzer Zeit schlich sich dann die große Liebe ein, und wir wurden ein unzertrennliches Paar.

Ein Geschenk mit Happy-End

In dieser Zeit erlebte ich einen ganz besonderen Tag, den Weihnachtstag. Diese Weihnachten werde ich meinem ganzen Leben nicht vergessen. Es waren die ersten Weihnachten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Nichts ahnend saß ich damals mit der ganzen Familie meiner Freundin unter dem schön geschmückten Tannenbaum und öffnete mein Weihnachtspäckchen. Ich konnte es gar nicht begreifen, was dort zum Vorschein kam. Eine Silber glänzende, nagelneue Mundharmonika, wie ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine gesehen hatte, riesengroß, mit vier verschiedenen Dur Arten. Als ich das Instrument mit zitternden Händen entgegen nahm, liefen mir zum ersten Mal nach dem tragischen Unfall Freudentränen über die Wangen. Lange dauerte es bis ich mich bedanken konnte, bedanken für mein schönstes Geschenk, die Mundharmonika.

Auch heute noch befindet sie sich in einem ausgezeichneten Zustand und wird noch oft, aber ganz besonders an Weihnachten benutzt. Das schöne Stück wurde noch in der "Frankenzeit" in Trier gekauft und mit einem flauen Gefühl im Bauch bei Britten über die Grenze geschmuggelt. Auch nach über 50 Jahren hat die Mundharmonika nicht nur einen Ehreplatz in unserm Haus, sondern auch in meinem Herzen. Am Ende meiner wahren Geschichte stellt sich die Frage, hätten wir Beide uns damals nicht im Krankenhaus getroffen, ob wir dann jemals ein Paar geworden wären. Ein Sprichwort sagt: "Not schweißt zusammen".

Und zum Schluss noch eins: Die Mundharmonika war mein schönstes Geschenk, meine Frau aber, das kleine, blonde Mädchen von damals, das Wertvollste.



© 2015 Text: Otto Kuhn, 77 Jahre, Losheim am See


Otto Kuhn
Autor: Otto Kuhn


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt 'ottoedgar' - so lautet sein Mitgliedsname in unserem Club50plus - ganz herzlich für diesen Beitrag. Otto Kuhn ist ehrenamtlicher Aktiver in unserer Redaktion.



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