Montag, 15. September 2014

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Kartoffelernte - in der Nachkriegszeit ein harter Job

 

Kartoffelacker

Wenn sich der erste herbstliche Nebel über der Landschaft ausbreitete und die meisten Ernten unter Dach und Fach waren, begann die Kartoffelernte. Es war in der Regel der letzte Einsatz vor der verdienten Winterpause. Die "Krombarn" - so nennt man Kartoffeln bei uns im Saarland - waren ohne Zweifel eines der wichtigsten und beliebtesten Lebensmittel in meiner Jugendzeit. Sie waren für Mensch und Tier unentbehrlich und zählen neben Brot und Mehl auch heute noch zu den Grundnahrungsmitteln.

Vieles, was heute auf dem Markt angeboten wird, kannte man damals nicht, und so waren die heimischen Bauern für die Versorgung der umliegenden Bevölkerung mit Kartoffeln zuständig. Natürlich gab es in den kleinen Hochwalddörfern in unserer Gegend kaum einen Haushalt, der sich nicht mit einigen Zentnern für den Winter eingedeckt hatte. Bis aber die Kartoffeln ihren Platz im Keller fanden, um frostfrei lagern zu können, waren einige Vorarbeiten unerlässlich.

Vorarbeiten vom Frühjahr bis zur Ernte
Im späten Frühjahr, wenn keine Nachtfröste zu erwarten waren, wurden die Setzkartoffeln überwiegend in zwei Hälften geteilt, und mit der Schnittfläche in die Ackerfurche  gedrückt. Die "Augen" (Keime) zeigten nach oben. In den verschiedenen Wachstumsphasen begann das mühevolle, tagelange Hacken um die Erde aufzulockern und das Unkraut zu vernichten. Pflanzenschutzmittel gab es nicht. Bis zur Ernte musste der größte Schädling, der gefräßige Kartoffelkäfer mit seinen unzähligen Larven, in mühevoller Arbeit durch Einsammeln von Hand besiegt werden. Dabei war die ganze Familie gefordert.

Die Erntezeit im herbstlichen September
Wenn das Kartoffelkraut eine gewisse Dürre erreicht hatte, begann die Zeit der Ernte. Schon am frühen Morgen, wenn sich die ersten Nebelschleier lichteten, war der Bauer mit seinem Gespann, sowie den Tagelöhnern unterwegs. Nicht selten befanden sich bis zu zehn Helfer im Einsatz. Für den Transport der Mitarbeiter wurden am Wagen die Kastenbretter umgelegt. So konnten beide Seiten als Sitzplatz benutzt werden.

Auf dem Acker teilte der Bauer die Leute ein. Es war eine richtige Knochenarbeit, die Kartoffelernte, die sich jedes Mal bis in die Abendstunden hinzog. Eine gewisse Erfahrung war schon erforderlich, um die Knolle zu ernten. Mit einer Hand wurde das Kraut gepackt, wobei die andere den "Kroopen" (Hacke) hinter den Strauch ansetzte. Zusammen mit dem Kraut konnten durch leichtes Ziehen die Kartoffeln ans Tageslicht befördert werden. Beim anschließenden Schütteln der "Strunken" (Kraut) fielen die Erdäpfel ab und wurden zum Trocknen auf die Streu geworfen.

Wenn sich die Sonne hinter den Hügeln verabschiedete, waren die Helfer dabei, die unzähligen Knollen in Körbe zu raffen. Dabei gab es drei verschiedene Kategorien; dicke, kleine und Setzkartoffeln, die jeweils separat in Säcke gefüllt wurden. Als  Kennzeichnung benutzte man das Kartoffelkraut. Die Setzkartoffeln waren ein wichtiges Saatgut für das kommende Jahr. Die Dicken waren die Esskartoffeln und die Kleinen in der Regel zum Füttern der Schweine vorgesehen. Bevor es aber mit dem voll beladenen Fuhrwerk nach Hause ging, hatten die Kinder aus Kartoffelkraut ein Feuer entfacht und nach alter Tradition Kartoffeln in der Glut gebraten. Dass Sie mit ihrem Bratgut zufrieden waren, sah man an ihren schwarzen Gesichtern.

Während der Erntezeit gab es für die Erntehelfer zur Mittagszeit ein wohlschmeckender Eintopf, dazu "Viez" (Apfelmost) oder Essigwasser. Kaffee war eher selten. Wenn die Betglocke zum Abendgebet läutete, waren die Bauern immer noch damit beschäftigt, die Kartoffeln über eine Rutsche in den Keller zu kippen. Setz - und Futterkartoffeln mussten auf dem Rücken zu ihrem Lagerplatz getragen werden. Wenn der letzte Kartoffelstock geerntet war, sagte man nach altem Brauch: "Mir hun den Hunn gefang" (Wir haben den Hahn gefangen). Für alle Helfer gab es dann als Belohnung das übliche Festessen und den ausgehandelten Lohn.

Der Acker wurde umgepflügt und konnte bis zum Frühjahr ruhen, der Bauer nicht.


© 2010 Text: Otto Kuhn, 73 Jahre, Losheim am See



Otto Kuhn
Autor: Otto Kuhn


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt 'ottoedgar' - so lautet sein Mitgliedsname in unserem Club50plus - ganz herzlich für diesen Beitrag. Otto Kuhn ist ehrenamtlicher Aktiver in unserer Redaktion.


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