Samstag, 30. August 2014

Club50plus-Mitglied 'ottoedgar':

Unentbehrliche Geräte im früheren Bauernhaus

 

DreschflegelWas teilweise noch bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in jedem Bauernhaus zum Inventar gehörte, kennt heute kaum noch jemand. Unser Club50plus-Mitglied Otto Kuhn, der in einem kleinen Ort im Saarland aufgewachsen ist, erinnert an einige dieser wichtigen Gegenstände. Dabei werden sicher auch bei vielen anderen serviceseiten50plus-Besuchern wieder Bilder aus früheren Zeiten wach.

Hier die Erinnerungen des heute 75-jährigen Otto Kuhn an frühere Zeiten auf einem Bauernhof und Gerätschaften, die dort im Alltag eine wichtige Rolle spielten:

Zu den unentbehrlichen Geräten in einem Bauernhaus gehörte beispielsweise die Zentrifuge, ein Gerät, bei dem der Rahm von der Milch getrennt wurde. Später kam der so gewonnene Rahm in das Butterfass, bei uns im Saarland auch "Roompfaaß" genannt. Durch ständiges drehen an der Kurbel, welche mit der Walze im Inneren verbunden war, konnte der Rahm zu Butter verarbeitet werden. Ein Abfallprodukt, aber sehr beliebt, war die Buttermilch, passend als Getränk zu jeder Mahlzeit.

Doch bevor die Milch in den Nahrungskreis kommen konnte, war es wichtig, für eine gute Qualität sorgen. Dabei spielte das Futter für die Kühe eine erhebliche Rolle. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein gab es keine Probleme. Schwieriger war es, wenn das Vieh im Stall untergebracht werden musste. In dieser Zeit waren die Vorräte gefragt. Wichtigstes Futter war das bis unter dem Dachfirst der Scheune fest aufgeschichtetes Heu. Um das Trockenfutter zur täglichen Fütterung aus der Masse zu ziehen, brauchte man den sogenannten Heuhaken. Das aus Metall gefertigte Gerät war mit einem Holzgriff versehen, und funktionierte gleich einem Widerhaken. Unzählige Male verschwand der Haken in der riesigen Menge, bis man genug Heu zur Fütterung hatte. Eine nicht schwere, aber zeitraubende Angelegenheit, welche meistens von den größeren Kindern, ungern, erledigt werden musste.

Dem Trockenfutter gab man in der Regel Runkelrübenschnitzel hinzu. Auch unter das Schweinefutter mischte man Rübenschnitzel mit Kleie. Zum Zerkleinern der Rüben gab es eine Rübenmühle. Die Mühle bestand aus einem stabilen Holzgestell mit einem trichterartigen Einfüllschacht. Das Herz des Gerätes bestand aus einer rundum mit messerscharfen Noppen besetzten Walze. Nach dem Einfüllen des Mahlgutes wurde die Kurbel von Hand gedreht, wobei das Einfüllgut zu Schnitzen zerkleinert wurde.

Da es auf dem Bauernhof nicht nur Kühe und Schweine gab, sondern auch Federvieh, und nicht selten Pferde gebraucht wurden, hatte auch Getreide einen hohen Stellenwert. Bevor es Dreschmaschinen gab, drosch man die Ähren von Hand mit einem Dreschflegel. Er bestand aus einem circa zwei Meter langen Stiel. Am oberen Ende befand sich an einer Lederschlaufe ein länglich runder Knüppel. Mit diesem drosch man auf das Getreide ein bis die Körner herausfielen. Um die
Frucht von der Spreu zu trennen, brauchte man eine Wannmaschine, die mit einer Siebvorrichtung versehen war. Mit dem Drehen an der Kurbel wurde eine Schüttelbewegung in Gang gesetzt, wobei die Spreu von den Körnern getrennt wurde. Ein Teil des Getreides kam zur Mühle, der verbleibende Rest war Hühnerfutter. Hafer blieb den Pferden als Leckerbissen und Kraftfutter vorbehalten.

Noch viele nicht genannte Geräte, die heute kaum noch jemand kennt, waren für die Bauern unentbehrlich. In landwirtschaftlichen Museen findet man sie noch, oft verstaubt und vergessen.

Trotzdem denken viele der älteren Besucher - waren das noch Zeiten, ohne Hektik und Stress. Und zum Leben reichte es auch. Wichtig war es vor allen Dingen über die Runden zu kommen.



© 2012 Text: Otto Kuhn, 75 Jahre, Losheim am See


Otto Kuhn
Autor: Otto Kuhn


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt 'ottoedgar' - so lautet sein Mitgliedsname in unserem Club50plus - ganz herzlich für diesen Beitrag. Otto Kuhn ist ehrenamtlicher Aktiver in unserer Redaktion.


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