Samstag, 01. November 2014

Club50plus-Mitglied 'tinikuhn' und ein Gelee-Rezept:

Holunder - ein vergessenes und leckeres Heilmittel

 

HolunderblütenAnfang August bis Ende September denke ich oft an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, als ich mit meiner Mutter zum Holunderpflücken ging. Wir hatten zwar einen eigenen Baum im Garten, sind aber doch noch in die freie Natur gegangen, denn wir brauchten sehr viele von den Beeren zur Zubereitung des köstlichen Holunder-Gelees, das der Familie besonders gut schmeckte.

Gegen Halsschmerzen: Holunder oder Speckschwarte

Auch hatte meine Mutter im Keller viele Flaschen mit Holundersaft immer auf Vorrat stehen. Bei vier Kindern in der Familie war im Winter immer eins krank. Wenn man Halsschmerzen, Fieber oder Husten hatte, gab es diesen Holundersaft zum Trinken. Um zum Arzt zu gehen, fehlte das Geld, und so hatte uns unsere Mama immer wieder mit den verschiedenen Naturheilmitteln kuriert.

Hatte der Holunder bei Halsschmerzen nichts genützt, ging sie zum Metzger und brachte eine ungesalzene Speckschwarte mit nach Hause. Die wurde auf einer schmal gefalteten Mullwindel ausgebreitet und anschließend um den Hals gewickelt. Mit einem Schal wurde das Ganze befestigt. Ich erinnere mich noch sehr gut an das schreckliche Gefühl, wenn die Speckschwarte warm und glitschig wurde. Dagegen war die Holunderbeere das reinste Vergnügen.

Holunder-Gelee-Zubereitung in Zeiten vor dem Dampfensafter

An einem prächtigen Holunderbaum bin ich neulich am Stausee vorbei gegangen, da fiel mir das Treiben in Mutters Küche wieder ein. Am beliebtesten war das Holundergelee. Nachdem die Beeren gepflückt und mit Eimern nach Hause gebracht waren, fing für uns Kinder eine ungeliebte Arbeit an: Die Beeren wurden von den Stielen gezupft, denn es hieß, die Stängel wären giftig. Danach kamen sie zum Kochen in einem großen Topf. In der Nacht wurde ein Stuhl umgekehrt auf den Tisch gestellt, und eine Mullwindel an jedem Stuhlbein mit Reißzwecken befestigt. Unter das Tuch kam eine große Schüssel. In das Tuch schüttete man die gekochten Beeren. Während der Nacht tropfte der Saft in die Schüssel. Tags darauf wurde aus dem gewonnenen Saft Gelee gekocht.

Von einem Dampfentsafter oder Elektroherd hatten wir damals noch nichts gewusst. Da wurde mitten im Sommer der riesige Küchenherd angefeuert und man stand stundenlang in der Hitze und hat gerührt. Gelierzucker gab es damals auch noch nicht. Also wurde das Gelee so lange gekocht, bis es steif wurde.

Aber auch im Frühling hatten wir einiges aus Holunderblüten zubereitet. Zum Beispiel wurden die Blüten nach dem Pflücken getrocknet und in einem luftdichten Behälter aufbewahrt. Davon wurde im Winter Tee gekocht, wenn man Fieber hatte. Man kann aber auch ein gutes Gelee davon zubereiten.

Mein Rezept für leckeres Holunderblüten-Gelee:

  • 12 große Holunderblüten
  • 750ml Apfelsaft
  • 1 kg. Gelierzucker

Zubereitung:
Die grünen Stängel so weit wie möglich mit der Schere abschneiden, dann Apfelsaft und Gelierzucker dazugeben, und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag durch ein Sieb, das mit einem Mulltuch oder einem dünnen Küchenhandtuch ausgelegt ist, abseihen. Danach alles zum Kochen bringen. Sofort in Gläser füllen und mit dem Deckel zudrehen.

Holundersaft kocht man heute mit dem Dampfentsafter. Dann kann man den Saft sofort heiß in Flaschen laufen lassen und verschließen. So ist der Saft circa 1 Jahr haltbar.


© 2011 Christel Kuhn, 71 Jahre, Losheim am See


Christel Kuhn - Mitglied unserer ehrenamtlichen Senioren-Redaktion
Autorin: Christel Kuhn


Die serviceseiten50plus-Redaktion dankt "tinikuhn" - so lautet ihr Mitgliedsname in unserem Club 50plus - ganz herzlich für diesen schönen Beitrag. Christel
Kuhn ist ehrenamtliche Aktive in unserer "Senioren"-Redaktion.



Vielleicht ist das auch eine Ermunterung für weitere Club-50plus-Mitglieder, als Autoren tätig zu werden und uns ihre Artikel zur Veröffentlichung zu schicken!



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