Club50plus-Mitglied 'tinikuhn'
Wäschewaschen war früher eine harte Arbeit
Die jüngere Generation ist im Zeitalter der Technik aufgewachsen und kann sich kaum vorstellen, wie bei ihren Vorfahren die Wäsche gewaschen wurde. Einige Leser von serviceseiten50plus werden sich noch daran erinnern: Am Samstagabend begannen bereits die Vorbereitungen zur großen Wäsche.
Samstag: Einweichen mit Sil
Zuvor aber mussten die Kinder zum Baden in die große Bütt steigen, welche in den meisten Fällen in der Küche aufgestellt war. Es war der einzige beheizte Raum. Wenn die Kleinen dann, die nacheinander in der Waschbütt gebadet wurden, herauskamen, wurde dem Badewasser noch das Einweichmittel Sil beigefügt. In dieser Brühe weichte man anschließend die Wäsche ein.
Sonntag: Kochen mit Persil
Sonntags abends kam die Wäsche in den großen Waschkessel in der Waschküche. Den Kessel benutzten die Bauern auch zum Kochen der Kartoffeln für die Schweine. Zum Waschen wurde der Kessel halb mit Wasser gefüllt und mit Persil angereichert. In diese Lauge kam die schmutzige weiße Wäsche. Als nächster Schritt wurde das Feuer im Ofen darunter angezündet. Als die Wäsche kochte, wurde mit einem großen breiten Knüppel, dem so genannten "Weeschtonkert" die Wäsche immer wieder untergetaucht. Bis Montagmorgen blieb sie dann stehen.
Montag: Reiben, Schrubben, Spülen, Dreschen
Damit man die Wäsche zum Trocknen zeitig auf die Wäscheleine brachte, musste man bei Zeiten aufstehen. Die Brühe war dann noch lauwarm. Nun kam das Waschbrett in Aktion. Auf diesem geraffelten Blechbrett rieb man die Wäsche auf und ab, bis sie sauber war. Weniger Geübte zogen sich auch schon mal blutige Fingerknöchel zu. Danach wurde die Wäsche von Hand ausgewrungen und in einen Wäschekorb gelegt. Anschließend kam die bunte Wäsche in die gleiche Lauge, und wurde ebenso auf dem Waschbrett gerubbelt. Wenn sie besonders schmutzig war, kam sie auf den Waschtisch und wurde mit Kernseife eingeschmiert und mit der Waschbürste gründlich so lange geschrubbt, bis sie sauber war. Zum Schluss waren die handgestrickten Strümpfe an der Reihe, sie wurden zuerst rechts gebürstet, danach auf links gewendet, und wieder geschrubbt. Die Seife wurde wieder in der Lauge ausgewaschen.
Die Wäsche kam in den Wäschekorb. Zusammen mit einem Holzkasten und einem "Plauel" (ähnlich einem Tischtennisschläger) kam die Wäsche auf einen Handwagen, und ab ging es zum Bach. Auf einem breiten Bohlen, der dort am Ufer befestigt war, wurden die Körbe mit Wäsche abgestellt. Ebenso der mitgebrachte, offene Holzkasten. Er wurde gebraucht, um sich hinein zu knien und aus dieser Position wurde die Wäsche Stück für Stück im Bach geschwenkt. Bei der letzten Behandlung kam der "Plauel" zum Einsatz. Mit diesem Hilfsmittel, der den jungen Leuten unbekannt ist, wurde so lange auf das Wäschestück eingedroschen, bis alle Seifenblasen verschwunden waren.
Zu guter Letzt: Trocknen, Bügeln, Falten
Zum Trocknen wurde sie auf dem Wäschedraht im heimischen Garten aufgehängt. Bei schlechtem Wetter kam die Wäsche auf ein Wäschegestell über dem Ofen, das bei Bedarf aufgeklappt wurde und über die Ofenstange, welche rund um den großen Küchenherd befestigt war. Nachdem sie einige Male hin und her gehängt wurde, damit sie rundherum trocknete, begann der Bügelvorgang. Mit zwei auf der Herdplatte auf Temperatur gebrachten Bügeleisen begann die Kunst des Bügelns. Wenn man einen Teil gebügelt hatte, war das Bügeleisen meist abgekühlt. Es wurde auf den Herd zurückgestellt und das zweite kam zum Einsatz.
Der Stolz jeder Hausfrau war es, die ordentlich gebügelte und exakt gefaltete Wäsche im Schrank zu wissen.
© 2008 Christel Kuhn, 68 Jahre, Losheim am See
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