Psychiater warnen vor Opferrolle
Mobbing: Betroffene sollten aktiv handeln
Personen, die von Mobbing betroffen sind, sollten nicht einfach über Gehässigkeiten oder Sabotageakte hinwegsehen, sondern aktiv werden und das Gespräch mit den Kollegen suchen. "Ständiges Mobbing zermürbt und verunsichert. Lässt man dieses Verhalten zudem still über sich ergehen, führt dies zu starker innerer Anspannung und fördert ungünstige Gefühle von Hilflosigkeit", meint Professor Dr. Wolfgang Gaebel von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.
Aktiv handeln statt Opfer sein
"Besser ist es in dieser Situation, den oder die Kollegen direkt anzusprechen - idealerweise zunächst unter vier Augen. So gibt man dem Gegenüber die Chance, einzulenken, ohne dass derjenige sein Gesicht verliert" rät der Experte. "Auch wenn es zunächst Überwindung kostet, möglicherweise etwas Negatives zu erfahren oder die Situation kurzfristig zu verschlimmern, ist offenes Ansprechen bei Konflikten immer der bessere Weg."
Auch ist es vorteilhaft, herauszufinden, warum sich der andere so unkollegial verhält. Menschen, die sich intrigant und gemein verhalten, fühlen sich häufig selbst in irgendeiner Weise belastet, bedroht oder angegriffen. Oftmals ist der "Gemobbte" dann nur ersatzweise der Angriffspunkt und der Ärger des Verursachers richtet sich eigentlich gegen den Chef, den Betrieb oder gegen die eigene Lebenssituation. Diese Erkenntnis löst den Konflikt zwar nicht, aber sie trägt dazu bei, sich weniger persönlich bedroht zu fühlen.
Selbstreflektion und Austausch helfen
Günstig ist ebenfalls, dass Betroffene selbst reflektieren und sich ihr Wertesystem verdeutlichen. "Was als Angriff empfunden wird und was nicht, hängt stark von den eigenen Werten ab. Zum anderen aber auch davon, wie vergangene Kränkungsprozesse verkraftet wurden. So sollten sich Betroffene fragen, warum sie sich bestimmte Dinge so zu Herzen nehmen und wie hoch ihre Sensibilität für Konflikte und Erniedrigungen ist", sagt der ärztliche Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
"Hilfreich und wichtig ist ebenso der Austausch mit Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Das können Kollegen und Freunde sein, oder man sucht den Kontakt in Selbsthilfegruppen oder -foren."
Was ist eigentlich Mobbing?
Unter Mobbing versteht man laut Gaebel gezieltes regelmäßiges Angreifen und Ausgrenzen einzelner Personen über eine Dauer von wenigstens sechs Monaten. "Es beginnt immer mit einem Konflikt am Arbeitsplatz oder Ausbildungsort, an den systematische Prozesse der Stigmatisierung und Diskriminierung anschließen, die schließlich für den Betroffenen in der Isolation münden", erklärt der Mediziner. Kleinere Streitigkeiten oder vereinzelt auftretende Auseinandersetzungen und Konflikte zählen hingegen nicht als Mobbing.
Mobbing am Arbeitsplatz kann die psychische und physische Gesundheit der Betroffenen stark gefährden. Folgen wie Kopfschmerzen, Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich oder dem Herz-Kreislauf-System sowie Depressionen können Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen oder sogar bis hin zur Selbsttötung führen.
- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de - // Quelle: psychiater-im-netz.de





