Freitag, 18. Mai 2012
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Viel diskutierte Heilmethode

Homöopathie - Ähnliches mit Ähnlichem behandeln

Heilpflanze Adonis vernalisDie Homöopathie (griechisch: homoion = ähnlich, pathos = Leiden) wurde durch den deutschen Arzt C. F. Samuel Hahnemann (1755-1843) begründet. Er setzte den Kerngedanken "Similia similibus curentur" (lateinisch: Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt), der bereits Hippokrates im vierten Jahrhundert vor Christus als Heilprinzip bekannt war, in eine eigene Therapiemethode um.

Mit seiner auf dem Ähnlichkeitsgesetz beruhenden Heilkunst richtete sich Hahnemann gegen die von ihm als Allopathie bezeichneten Therapieverfahren, die - entsprechend dem Gegensatzprinzip - Symptome mit zum Teil drastischen Gegenmitteln behandelten. Dazu gehörten beispielsweise der Aderlass, das Schröpfen und die Verabreichung giftiger Substanzen, die den Patienten oftmals eher gefährdeten als heilten.


Homöopathie als Regulationsmedizin
Die homöopathischen Arzneimittel sollen körpereigene Funktionen und damit die Selbstheilungskräfte anregen. Dies soll über ein Einwirken auf die Regulationsmechanismen des Körpers geschehen. Entsprechend dem Ähnlichkeitsprinzip werden Substanzen eingesetzt, von denen angenommen wird, dass sie der Krankheit ähnliche Symptome hervorrufen. Ruft zum Beispiel eine bestimmte Substanz bei einem gesunden Menschen drückende Kopfschmerzen hervor, so wird sie einem Kranken, der genau diese Beschwerden schildert, verabreicht. Ein solches Medikament soll dann von den Regelmechanismen des Körpers registriert werden und eine Gegenregulation einleiten.

Die besondere Aktivität der homöopathischen Arznei - hervorgerufen durch die spezielle Herstellungsweise - soll dazu führen, dass die Gegenregulation stärker ausfällt als es für den Ausgleich des Arzneimittels nötig wäre. Die "überschüssige" Gegenreaktion soll sich dann gegen die im Körper vorhandenen ursprünglichen Krankheitssymptome richten. Der Körper soll auf diese Art dazu gebracht werden, sich selbst zu heilen.


Zubereitung und Darreichungsformen homöopathischer Arzneien
Homöopathische Arzneimittel gibt es in verschiedenen Formen: als Tabletten, alkoholische Lösungen und Globuli - mit homöopathischer Lösung imprägnierte Zuckerkügelchen. Obwohl kein Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneien besteht, unterliegen diese jedoch dem Arzneimittelgesetz im Sinne einer Registrierungs- und der Apothekenpflicht. Einige homöopathische Arzneimittel sind zudem verschreibungspflichtig. Als Ausgangsstoffe für homöopathische Arzneien dienen Substanzen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Mikrobenund Tierreich sowie Chemikalien. Das so genannte Potenzieren - die Verdünnung der Substanz bei gleichzeitiger Verschüttelung - soll die Wirkung der verabreichten Substanz verstärken und gleichzeitig die Gefahr eventueller Vergiftungserscheinungen verringern.


Wirkung ohne Wirkstoff?
Man unterscheidet bei der Verdünnung der Ausgangssubstanzen zwischen Tiefpotenzen, bei denen die Moleküle der zu verabreichenden Substanz noch enthalten sind, und Hochpotenzen - Lösungen, in denen sich rein rechnerisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr befinden. Darauf beruht auch ein Hauptkritikpunkt an der Homöopathie: Immer wieder wird hervorgehoben, dass nach den Grundsätzen der Naturwissenschaften niemand die Wirkung einer Arznei erklären könne, die kein einziges Molekül des Stoffes enthalte, der die Heilung auslösen soll. Den Wirkmechanismus solcher Arzneien erklärten Befürworter der Homöopathie zunächst so, dass die Ausgangsstoffe homöopathischer Mittel im Trägermaterial - Wasser, Alkohol, Milchzucker - eine Art Abdruck hinterlassen. Dieser Abdruck solle auch dann noch nachwirken, wenn die Ausgangssubstanz selbst so weit verdünnt wurde, dass sie nicht mehr nachweisbar ist. – Eine Erklärung, die wissenschaftsorientierte Geister nicht zufrieden stellen kann und die Homöopathie nicht aus der Beweisnot befreit.

Verschiedenste Forschungsarbeiten haben sich inzwischen mit dem Thema befasst und mit unterschiedlichen Methoden versucht, das Geheimnis der geschüttelten (nicht gerührten!) verdünnten Lösungen zu ergründen - bislang mit mäßigem Erfolg. In der Diskussion waren unter anderem Clusterbildungen, also Verklumpungen der Moleküle in den geschüttelten Lösungen und ein besonderes Verhalten des Wassers als Lösungsmittel. Schlüssige, nachvollziehbare Ergebnisse konnten bislang nicht vorgelegt werden. Die Wirkung homöopathischer Arzneimittel im Sinne messbarer Reaktionen, die in einem biologischen System durch sie ausgelöst werden, bleibt also weiterhin unklar.


Eine neue Theorie zum Wirkmechanismus
Harald Walach, Leiter der Abteilung "Komplementärmedizinische Evaluationsforschung" des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg, stellte auf einer Expertentagung in Wien fest, es gebe bislang keine brauchbare Theorie, welche die Effekte der Homöopathie erklären könne. Er schlug vor, sich auf die Quantenmechanik und die "generalisierte Verschränkung" zu stützen. Nach diesem Modell stehen die Elemente eines Quantensystems miteinander in Wechselbeziehung, obwohl keine örtlich zu bestimmenden Wechselwirkungen stattfinden. Solche Phänomene könnten auch in biologischen Systemen vorkommen, so der Experte. Homöopathie könne in diesem Sinne als ein System verstanden werden, das eine zweifache Verschränkung benutze, nämlich zwischen Arzneimittel und Substanz (Potenzierungsprinzip) einerseits und zwischen individuellem Symptomenbild und Arzneimittelbild (Ähnlichkeitsprinzip) andererseits.


Der Stand der Forschung
Die angeführten Erklärungsansätze beziehen sich indessen ausschließlich auf den Wirknachweis homöopathischer Arzneimittel, nicht aber auf einen Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie. Sie beziehen sich auf bloße Arzneimittelwirkungen, die nicht spezifisch auf ein Therapieziel oder eine Indikation (eine Heilanzeige, die in einem Krankheitsfall ein bestimmtes Behandlungsverfahren erfordert) hin ausgerichtet sind, und daher auch keine sinnvollen Rückschlüsse auf einen potenziellen Heilungserfolg erlauben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der phänomenologische Krankheitsbegriff der Homöopathie vom diagnostisch orientierten Krankheitsbegriff der Schulmedizin erheblich unterscheidet. - Es muss daher festgestellt werden, dass trotz vieler Versuche und Veröffentlichungen die physikalische wie die klinische Forschung ein naturwissenschaftlich bislang nicht fassbares Bild der Homöopathie zeichnen. Der Homöopathie werden häufig Behandlungseffekte zugeschrieben, die mit den Placebo-Effekten vergleichbar sind. Eine darüber hinausgehende Wirkung von homöopathischen Mitteln konnte mit den üblichen wissenschaftlichen Methoden bisher nicht nachgewiesen werden. Walach fasst zusammen: "Es liegt zu viel Material vor, als dass man pauschal und generell behaupten könnte, Homöopathie sei wirkungslos oder lediglich genauso wirksam wie Placebo. Es liegt nicht genügend Material vor, um überzeugend das Gegenteil behaupten zu können. Aber: Es liegt genügend Material vor, um eine tief gehende und gründliche Erforschung zu rechtfertigen."


Neue klinische Studie zeigt positive Effekte der Homöopathie
Auch wenn die Stiftung Warentest in ihrem Handbuch "Die andere Medizin" zu dem Schluss kommt, dass die Homöopathie als allgemeines Behandlungskonzept zur Behandlung von Krankheiten und Störungen nicht geeignet sei, so wird doch in der Gesamtbewertung festgestellt, dass es dennoch Hinweise auf eine therapeutische Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung bei vielen Krankheiten und Störungen gibt - zum Beispiel bei Allergien, chronischem Asthma, in der Begleitung einer Strahlen- oder Chemotherapie im Rahmen der Behandlung von Krebserkrankungen und vieles mehr.

Bei einem Kongress der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe wurde ein Modellprojekt der IKK Hamburg zu Wirksamkeit und Kosten der Homöopathie vorgestellt, über das die Ärztezeitung berichtete. Insgesamt wurden bei der Studie die Daten von 315 Erwachsenen sowie 178 Kindern ausgewertet. Die Teilnehmer wurde zu ihren krankheitsspezifischen Beschwerden und der empfundenen Lebensqualität befragt. Dann wurden die Gruppen über die Diagnosen hinweg miteinander verglichen. Die Auswertung führte zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der Homöopathie bei vielen chronischen Erkrankungen bei Kindern per Selbsteinschätzung - und auch durch die behandelnden Ärzte - besser beurteilt wurde als die Wirksamkeit klassischer Therapien.

Auch Erwachsene empfanden ihre Symptome durch Homöopathie deutlich stärker verringert als mit konventionellen Methoden. Bezüglich des Kostenfaktors wurde festgestellt, dass die homöopathische Behandlung nicht teurer für die Krankenkasse war als die konventionelle.


Fazit

Grundsätzlich kann man feststellen, dass negative Nebenwirkungen der Homöopathie bislang nicht bekannt geworden sind. Es bleibt also dem Patienten überlassen, diese Methode nach Absprache mit dem behandelnden Arzt auszuprobieren und selbst festzustellen, ob sich positive Effekte einstellen. Gerade für chronisch Erkrankte kann die Homöopathie eine Möglichkeit bieten, die Standardtherapien zu unterstützen. - Eine schulmedizinische Behandlung durch Homöopathie zu ersetzen, kann hingegen nicht empfohlen werden.


Quelle: curado.de / Anke Tennemann, Diplom-Biologin