Mittwoch, 08. Februar 2012
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Robbie, bitte übernehmen Sie!

Im Praxistest: Serviceroboter im Seniorenheim

Roboter Care-O-bot® 3Schwere Kisten transportieren, Getränke anbieten und die geleistete Arbeit zuverlässig dokumentieren - Serviceroboter, die in stationären Pflegeeinrichtungen Transportaufgaben und Routinetätigkeiten übernehmen, können das Personal erheblich entlasten. Ein erster Praxistest mobiler Serviceroboter in einem Seniorenheim zeigt, dass sowohl Pflegekräfte als auch Bewohner die Unterstützung durch Roboter akzeptieren.

Hilfe für Pflegkräfte
Als Pflegekraft im Seniorenheim kümmert sich Nadine Petrova seit zwölf Jahren um die Bewohner: Sie wäscht die Senioren, füttert sie, wechselt Verbände und versorgt sie im Notfall. Regelmäßig dokumentiert sie ihre Tätigkeit. Obwohl die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist, kann sie sich nicht vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben. Bisher gehören auch einfache Routinetätigkeiten zu ihren Aufgaben, die nicht direkt mit den Bewohnern zu tun haben, wie zum Beispiel Hol- und Bringdienste.

Entlastung schafft im Mai 2010 ein Roboter zur Pflegeunterstützung: Mit Hilfe seines Navigationssystems fährt er zielsicher von Station zu Station und übernimmt lästige Transporte wie die Lieferung von Post, Wäsche oder neuer Getränke. Bedienen lässt sich der Helfer einfach über den am Roboter angebrachten Touchscreen oder über das Smartphone von Frau Petrova.

Auch bei der Versorgung der Senioren mit Getränken unterstützt der Roboter das Pflegepersonal: In den Aufenthaltsräumen verteilt er regelmäßig Wasser an diejenigen Bewohner, die noch nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen haben. Die notwendigen Informationen zur Identifikation einzelner Senioren und deren bisheriger Flüssigkeitsaufnahme lädt er dabei über eine verschlüsselte Funkverbindung aus einer Datenbank, in der sowohl der automatische Helfer als auch das Pflegepersonal die bisher ausgegebenen Flüssigkeitsmengen protokollieren.

So oder ähnlich könnten Serviceroboter in Zukunft zur Pflegeunterstützung eingesetzt werden.

Das Projekt "WiMi-Care"
Welche Aufgaben die Roboter übernehmen könnten, haben Forscher in dem Projekt "WiMi-Care" auf Basis einer Bedarfsanalyse in der stationären Altenpflege herausgefunden. Daraus haben sie beispielhaft zwei Szenarien abgeleitet - den Transport und das Verteilen von Getränken - und diese in einem ersten Praxistest im Stuttgarter Altenpflegeheim "Parkheim Berg" untersucht.

Die Erprobung der Transportfunktion fand dabei auf dem fahrerlosen Transportsystem "CASERO®" der MLR System GmbH aus Ludwigsburg statt. Der Roboterassistent "Care-O-bot® 3", den Forscher des Fraunhofer IPA entwickelt haben, versorgte die Bewohner des Altenheims mit Getränken. Dieser Roboter verfügt über eine mobile Basis, einen Arm und Greifer. So kann er auch für komplexe Handhabungsaufgaben, beispielweise die Bedienung eines Wasserspenders eingesetzt werden.

Für die erste Testphase wurde auf dem Care-O-bot® 3 ein vereinfachter Arbeitsablauf implementiert, in dem der Roboter einen im Wasserspender befindlichen Becher durch Drücken des Wasserknopfs befüllt, diesen auf seinem Tablett abstellt, über einen Gang in den Aufenthaltsraum fährt und das Wasser an verschiedenen Positionen am Tisch anbietet. Die Bewohner haben bei diesem Test durchweg positiv auf den Roboter reagiert und schnell verstanden, dass sie den Becher vom Tablett nehmen sollen. Einziges Manko: Tatsächlich daraus getrunken haben sie nur selten. Eines der Ziele für die nächste Projektphase besteht nun darin, den Roboter überzeugender auftreten zu lassen, so dass er nicht nur als Zeitvertreib angesehen, sondern seine Aufforderung zum Trinken von den Bewohnern auch ernst genommen wird.

Die nächste Testphase ist für Anfang 2011 angesetzt. Neben der verbesserten Interaktion mit den Benutzern soll bis dahin das Szenario weiter ausgearbeitet und optimiert werden, so dass der Roboter auch mehrere Interaktionszyklen eigenständig, das heißt ohne Steuerung und Überwachung durch die IPA-Mitarbeiter durchführen kann. Außerdem wollen die Forscher bis dahin ein zusätzliches Szenario zur Unterhaltung und Animatation der Bewohner entwickeln, in dem zum Beispiel auf dem Touchscreen Gesellschaftsspiele oder Programme zum Gedächtnistraining gestartet, Musik abgespielt oder Gedichte vorgelesen werden können.

Das Forscherteam
In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt arbeiteten die Universität Duisburg-Essen, die User Interface Design GmbH, die MLR System GmbH und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA zusammen. Das im November 2008 gestartete Forschungsvorhaben hat eine Laufzeit von drei Jahren.


Video: Die Roboter bei der Arbeit
Schauen Sie sich doch einmal die beiden Roboter in Aktion im Stuttgarter Altenpflegeheim "Parkheim Berg" an. Hier geht es direkt zum Video.




- REFR / Online Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle und © Foto: Fraunhofer-Gesellschaft, München