Mittwoch, 22. November 2017
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Club50plus-Mitglied 'fredisgarage'

Ein Motorradfan erzählt: Meine Hobbies mit 60 - Teil III

Fred Vorbeck - Biker 50plus

Hier nun der dritte und letzte Teil von Fred Vorbecks Bericht, in dem er über seine Motorradleidenschaft in den Zeiten als verantwortungsvoller Familienvater und heute, als junggebliebener Pensionär, erzählt:

Auch als ich geheiratet habe und Vater von zunächst zwei Söhnen wurde, ließ meine Begeisterung nicht nach. Allerdings machte sich schon deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein bemerkbar. Ich legte es nicht mehr darauf an, unbedingt die 200 km/h Grenze zu knacken oder unter dem Beifall von Freunden mit einem Funkenregen ums Eck zu biegen.

Aus meinen Rennern wurde eine freundliche 400er mit 36 PS (eine Suzuki GS 400), die mich 18 Jahre lang begleitete und meinem ersten Sohn noch als Einsteigermaschine Anfang der 90er diente.

Reisejahre auf meiner Suzuki und ihren komfortablen Nachfolgern
Mit der Suzuki wurden meine Entdeckungsreisen an die französische Atlantikküste, ins Ardechetal und die Alpen bestritten - zuverlässig, ganz ohne große Mengen an Ersatzteilen. Motorräder waren allgemein besser geworden. Nach und nach bot der Markt auch spezielle Bekleidung an, so dass der flatternde Friesennerz seine Bedeutung verlor und einer Regenkombi weichen musste. Heute kann man sich kaum vorstellen, dass noch 1970 der Vollvisierhelm weitgehend unbekannt war. Ein sogenannter Jethelm war das Maß der Dinge - das heißt, bei annähernd 200 Stundenkilometer wurden die Backen ganz schön lang gezogen. Auch gab es Anfang der 70er keine Motorradkoffer oder Topcases für das Gepäck. Da musste man sich schon noch selbst helfen.

Wenn ich auf Reisen ging, durfte es nicht viel kosten. Also war immer Campen angesagt. Aber wohin mit dem Gepäck? Das war die Zeit, in der ich entdeckte, dass Kühlboxen nicht nur fürs Picknick geeignet sind, sondern auch noch für ganz andere Dinge taugen. Sie sind zum Beispiel.geräumig und wasserdicht. Was lag also näher, als sie ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung zu entreißen und sie zu Packtaschen umzufunktionieren?

So konstruierte ich Haltesysteme an meinem Motorrad, in die ich diese Kühlboxen einrasten konnte. Damit blieb nicht nur das Gepäck trocken. Gleichzeitig hatte man auf den Campingplätzen überall in Südfrankreich auch die Möglichkeit, Eisstangen zu kaufen. Die passten wunderbar in die besagten Kühlboxen, womit immer ein kühles Bier am Abend sichergestellt war.

Mit den Jahren änderte sich vieles - ich bekam noch zwei Söhne und wurde noch vernünftiger. Aber die Motorradfahrerei konnte ich nicht lassen. Beruflich ging es ziemlich steil bergauf, so dass häufiger besonders heikle Aufgaben an mich herangetragen wurden. Die führten mich dann ins Ausland - bis zu 4.000 Kilometer weit mit LKW und wertvoller Ladung von der Heimat entfernt. Doch das ist ein eigenständiges Kapitel, das zwar viel mit meinem Leben und meinem Beruf, aber weniger mit meinem Hobby zu tun hat.

Die letzten 18 Jahre sind schließlich davon geprägt, dass ich meiner Leidenschaft zunehmend professioneller folgte. Das begann mit den Motorrädern, die ich mir nun leisten konnte. Schöne und tourentaugliche, besonders komfortable Maschinen mit Kardanantrieb (nein, keine BMW), die immer ins Ziel kamen. Sie waren fast langweilig zuverlässig - wie auch meine jetzige Yamaha XJ 900.

Vor 20 Jahren entdecke ich Korsika als mein liebstes Reiseziel und bin dort heute so gut wie zu Hause. In manchen Jahren war ich sogar zwei bis drei Mal dort und habe doch immer wieder Neues entdeckt. Dicht gefolgt wird dieses Ziel von der herrlichen Landschaft der Cevennen in Südfrankreich.

Meine Frau fährt jetzt mit - als Bikerin auf ihrer eigenen Maschine
Und es gibt noch mehr Unterschiede im Vergleich zu den wilden Jahren:
Ich bin bequemer geworden und - noch viel wichtiger - meine Frau fährt auf ihrer eigenen Maschine mit. Das Bequemere findet seinen Ausdruck darin, dass unsere beiden Motorräder auf den Anhänger geladen werden und wir auf diese Weise die fürs Motorrad langweilige Fahrt über Autobahnen vermeiden. Außerdem schlafen wir nun nicht mehr im Zelt, sondern ziehen den Luxus von vor Ort gemieteten Mobilhomes vor. In Deutschland nutzen wir dagegen gerne Ferienwohnungen auf einem Bauernhof, weil sich dort der nötige Platz für unseren Fuhrpark findet, man eigentlich immer besonders freundlich ist und der zentrale Startpunkt für das Erschließen einer Motorradregion oft genau da zu finden ist.

Dass meine Frau selbst fährt, ist für mich ein Glanzpunkt. Vor 12 Jahren machte sie ihren Führerschein und nannte sofort ein schweres Motorrad ihr Eigen. Am Anfang war es für mich ein Albtraum, weil ich ständig Angst um sie hatte. Heute ist davon keine Rede mehr - sie fährt ihre Maschine mit derselben Selbstverständlichkeit wie ich. Nur die Reparaturen überlässt sie noch mir.

Die winterliche Jahreszeit ist dann die Jahreszeit, in der ich das Erlebte zu Papier bringe und mich Stunden und Tage in meiner Werkstatt mit Verbesserungsarbeiten an den Motorrädern herumtreibe.

Sicher könnte ich diese Geschichte weiter führen - ich will aber nicht. Wer gerne Reiseberichte liest, der kann ja auf meine Internetseite wechseln. Zwei mal das Gleiche zu erzählen, macht es nicht besser. Es wird ganz sicher noch Neuigkeiten in meinem Leben geben. Meine Touren für das Jahr 2009 sind jedenfalls schon vorgedacht - natürlich mit dem Motorrad. Ich bin ja erst 60, und wie Udo Jürgens singt: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Da haben wir ja noch Zeit...


ENDE


© 2009 Text und Fotos: Fred Vorbeck


Für alle Leser, die mehr über den Motorradfan Vorbeck, seine Maschinen, seine Reisen und seine Tipps erfahren möchten: Hier geht es zu seiner Internetseite 
www.fredis-garage.de



Motorradfans im Forum von serviceseiten50plus:

Uns, der Redaktion von serviceseiten50plus, hat Fred's Erzähl-Trilogie viel Spaß gemacht und wir danken ihm herzlich dafür. Seine drei Berichte gefallen sicher auch vielen unserer Leser, besonders den Motorrad-Liebhabern unter Ihnen. Einige Motorradfans haben sich ja schon in unserem Forum verewigt, allerdings nur mit sehr kurzen Beiträgen. Dabei wäre es für alle sicher interessant, mehr über einander zu erfahren und sich auszutauschen. Wie wäre es deshalb mit einigen weiteren Beiträgen unserer 50plus-Motorradfreunde in unserem Club50plus-Forum? Die Rubrik "Hobby-Forum" wartet auf Sie und Sie haben sicher viel zu erzählen - genau wie Fred!

- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus -

 

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