Donnerstag, 31. Juli 2014
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Club50plus-Mitglied 'Harvey'

Mein Lieblingsfilm: "Freunde fürs Leben"

FilmrolleEs gibt so viele Filme, und jeden Tag werden es mehr. Dennoch kommt es vor, dass ein ganz spezieller Film eine magische Wirkung auf uns hat - dass er uns so tief berührt, als wäre er Wirklichkeit. Die Erinnerung an diesen Film mag im Laufe der Zeit zwar verblassen, aber sie taucht immer wieder auf und bleibt, wie ein Freund fürs Leben.

Unser Club50plus-Mitglied 'Harvey' beschreibt dieses Phänomen. In seinem Fall hatte ein Filmerlebnis sogar Einfluss auf sein weiteres Leben.




Harvey schreibt über seinen Lieblingsfilm:

Filme können manchmal ein ganzes Leben beeinflussen, können prägen oder Werte, Meinungen oder Verhaltensweisen bestimmen. Man sagt, dass die Europäer erst durch die amerikanischen Filme gelernt haben, wie man richtig küsst. Wer weiß? Auf jeden Fall ging es mir so, dass ich als Junge durch einen ganz bestimmten Film meine große Liebe zum Kinofilm entdeckte. Auf meine Weise versuchte ich später, dafür zu sorgen, dass auch andere diese Leidenschaft in sich entdecken konnten. Vielleicht können Sie das nachvollziehen.

"Freunde fürs Leben" heißt der Film. Ein alter italienischer Streifen aus der Mitte der 50er Jahre, den heute kaum einer mehr kennt. Der Regisseur und die Darsteller blieben eher unbekannt, nur der Komponist Nino Rota wurde weltberühmt. Ich frage mich angesichts aller Filme, die es gibt, warum nicht dieser noch einmal "ausgegraben" und gezeigt wird.

Mein allererster Film

Es war 1964. Ich war sechs und wohnte mit meiner Familie im Siegerland. Wir hatten noch keinen Fernseher, und weit und breit gab es kein Kino. Film war mir gänzlich unbekannt. Aber mein Vater hatte die Idee, im Gemeindesaal unseres Dorfes, der sonst nur für Gottesdienste, Gruppen und Feste genutzt wurde, eine Filmvorführung zu organisieren, und zwar für Jugendliche und Kinder.

Zu jener Zeit konnte man gute Filme bei der Stadtbildstelle oder bei kirchlichen Verleihstellen auf 16-Millimeter-Format kostenlos oder für eine geringe Gebühr beschaffen. Mit einem tragbaren Projektor gelang es so, jeden Saal in ein Kino zu verwandeln. Für uns Kinder war dieses Erlebnis noch völlig neu und deshalb umso erstaunlicher. Auf einmal tauchten wir in dem Raum, den wir nur von Feiern und Basaren kannten, in eine völlig fremde und doch so unerwartet vertraute Welt. Obwohl ich ja nie vorher einen Film gesehen hatte, war ich sofort völlig fasziniert und in den Bann geschlagen von dem, was sich da auf der Leinwand abspielte. Ich konnte die Geschichte nachvollziehen und hielt sie für absolut wahrhaftig, so wie alle Geschichten, die mir meine Eltern und Verwandten erzählt hatten.

Die Geschichte

Es geht um zwei Jungen in Rom, die sich in der Schule kennen lernen und erst gar nicht leiden können. Marco, Sohn eines Keramikherstellers, ist eigentlich ganz anders als Franco, der als gepflegter Diplomatensohn neu in die Klasse kommt und gleich Marcos Platz besetzt. Schließlich, als sie beide bestraft werden, lernen sie sich besser kennen. Sie helfen einander bei den Schulaufgaben und werden die allerbesten Freunde. Marco hat eine Freundin, die er zwar hänselt, aber deren Locke er schließlich ergattert, während der gebildete Franco seiner früh verstorbenen hübschen Mutter nachtrauert. Als bei einem Wettlauf Marco von Franco besiegt wird, verhält sich Marco ungeschickt und erzählt den Mitschülern zu Francos Bestürzung von dessen geheimem Schmerz. Kurz darauf wird Francos Vater in den Sudan versetzt. Marco bereitet alles vor, damit sein Freund in seiner Familie bleiben kann, doch Franco fliegt nach der Versöhnung am Flughafen trotzdem mit seinem Vater in die Ferne. Ende.

Was ist Freundschaft und "geheime Erziehung"?

Ich heulte so fürchterlich, wie ich wohl davor und danach nicht mehr geheult habe. "Warum ist er denn nicht dageblieben?" Mein Vater versuchte, mir zu erklären, dass sie sich schreiben und eines Tages wiedertreffen würden: "Der Film heißt doch: 'Freunde fürs Leben!' Und wenn man wirklich einen Freund hat, dann ist es völlig egal, wo auf der ganzen Welt er gerade ist, selbst in einem Internat im Sudan. Gerade die Trennung macht die Freundschaft ja stark." Das verstand ich schließlich. Und auch, dass Film etwas ganz Besonderes und Magisches ist, dem man sich gar nicht entziehen kann. Von da an wollte ich immer mehr Filme sehen. Mein Vater zeigte dann noch andere, aber keiner hat mich mehr so bewegt und geprägt, wie "Freunde fürs Leben", obwohl viele dem auch recht nahe kamen.

Sicherlich hat jeder solch ein prägendes erstes Filmerlebnis in seiner Kindheit oder Jugend gehabt, ob es nun "Bambi" war, "Ein Herz und eine Krone", "Robinson Crusoe soll nicht sterben" oder "Winnetou". In den 60er Jahren entbrannte ja auch die Diskussion um die "geheimen Erzieher der Jugend" - nämlich Kino, Rock ’n Roll und Schlager, Comics und "Schund". Man wollte Manipulation wie Jahrzehnte zuvor vermeiden und wachte darüber, was "pädagogisch wertvoll" oder wovon "abzuraten" war. Ich habe jedenfalls später so viele Filme gesehen, wie es nur ging, sogar "geheim". Im Kino und auch im Fernsehen, als wir Fernsehen hatten. Damals gab’s ja nur zwei bis drei Spielfilme pro Woche auf dem Bildschirm.

Wie es weiterging

Auf dem Gymnasium gründete ich später eine Film-AG, mit der ich wiederum meinen Mitschülerinnen und Mitschülern in der großen Aula gute Filme auf 16-mm zeigte. "Freunde fürs Leben" war leider nicht mehr im Verleih. Aber "Die Ferien des Monsieur Hulot", "Krieg der Knöpfe", "Der Flug des Phoenix" und viele mehr. Beruflich landete ich bei einer Einrichtung in einer großen Stadt, von der das Entleihen und Vorführen von 16-mm-Filmen für etwa 80 Kinder- und Jugendeinrichtungen organisiert wurde. So konnten Filme auch in den Vororten, wo die Kinos bereits geschlossen worden waren, oder draußen auf dem Lande, wo weit und breit kein Kino war, von Kindern und Jugendlichen gesehen werden. Auf diese Weise schloss sich der Kreis, der bei "Freunde fürs Leben" im Gemeindesaal 1964 begann. In diesem Filmclub traf ich dann auch meine Frau fürs Leben. - Besser als jeder Film! Aber das ist eine andere Geschichte...

Im Zeitalter von DVD und Beamern gibt es keine 16-mm-Filmarbeit mehr, aber möglicherweise entdeckt ja ein Anbieter noch einmal diesen mehrfach preisgekrönten kleinen Film "Freunde fürs Leben" und bringt ihn auf DVD heraus. Vielleicht sogar mit der italienischen Fassung, denn in der steigt Franco, kurz bevor die Maschine in den Sudan abhebt, doch aus dem Flugzeug in letzter Sekunde wieder aus und kehrt zu Marco zurück!

Nicht der Einzige

Ein englischer Nutzer der Internet-Filmdatenbank "www.imdb.de" schreibt über "Freunde fürs Leben" (Amici per la pelle, Italien 1955) von Regisseur Franco Rossi: "Ich sah diesen Film um 1957 in London. Die Erinnerung daran ist stets in mir wach geblieben. Selbst heute fällt mir auch die Musik immer noch ein."


Fühlen Sie sich angesprochen?
Wenn Sie schon so freundlich waren, mir bis hierhin zu folgen, dann scheint es etwas zu geben, was Sie verstehen können. Deshalb bin ich, ehrlich gesagt, auch auf Ihre Geschichte richtig neugierig. Wenn Sie auch einen Lieblingsfilm haben, der Sie so sehr beeindruckt hat, dass Sie ihn nie vergessen können oder mit dem Sie eine ganz spezielle Erinnerung verbinden, dann wäre es sehr schön, wenn Sie auch einmal auf serviceseiten50plus darüber erzählen würden. Es würde mir eine Freude bereiten - und sicherlich auch anderen Leserinnen und Lesern. Vielen Dank.


© 2008-14 Harvey


Über den Autor:
Unser Club50plus-Mitglied 'Harvey' ist 55 Jahre alt und, wie jeder nach der Lektüre seines Beitrags unschwer erkennen kann, nicht nur ein großer Film-Liebhaber, sondern auch ein echter Filmkenner.


Übrigens, wenn Sie wie 'Harvey' auch Ihren Lieblingsfilm auf serviceseiten50plus vorstellen möchten, schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns einfach in der Redaktion an.

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