Donnerstag, 24. Juli 2014
Sie sind hier:  Themen-Fenster Hobby + Freizeit > Tango Argentino - meine...
 

Club50plus-Mitglied 'fredisgarage'

Ein Motorradfan erzählt: Meine Hobbies mit 60 - Teil II

Fred Vorbeck - Biker 50plus

Hier nun der zweite Teil von Fred Vorbecks Bericht, in dem er über die Anfänge seiner Motorradleidenschaft erzählt:

Es begann alles im Alter von 15 Jahren. Damals verdiente ich mir das Geld für mein erstes Kleinkraftrad mit dem Waschen von Autos in einer Waschanlage und dem Aufsetzen von Kegeln - bei einem Damenkegelklub, der für mich auf ewig unvergessen bleiben wird. Daneben war ich Lehrling in einer großen Werkstatt, die ich hier nicht nennen möchte. Nur so viel sei verraten: Die Autos trugen einen Stern.

Meine ersten Maschinen
Das erste Moped, eine Zündapp Sport Combinette mit kleinem Nummernschild, kaufte ich für sauer verdiente 300 DM, noch bevor ich mit 16 den Führerschein dafür hatte. Ob ich vor dem Führerscheinerwerb gefahren bin, werde ich nicht verraten - aber es war schön. Der Zündapp folgte eine Herkules K 50 S, an der ich alles ausprobierte, was sie schneller und schöner machte. Wozu hatte ich schließlich Automechaniker gelernt, dachte ich damals. Die "Grünen" waren schon allein deswegen mein Albtraum. Ich wusste ja nicht, dass ich schon mit 19 selbst Polizist werden und das auch noch mit Begeisterung bleiben würde. Erst durch diesen Beruf wurde mir wirklich klar, wie gefährlich meine Umbauten manchmal waren. Deshalb gibt es bei mir auch heute als Polizei-Pensionär nur ganz legale Tipps, die das Motorrad technisch verbessern oder einfach nur verschönern. Ich habe meine Jugendsünden nicht vergessen und will nicht, dass andere sie nachmachen. Bei der heutigen Verkehrsdichte ist schließlich alles doppelt riskant geworden.

Vorbeck mit MotorradZwei Wochen vor meinem 18ten Geburtstag beendete ich meine Lehrzeit mit dem ersehnten Gesellenbrief und bekam mit 18 meinen Führerschein Klasse 1 in die Hand. Meine Ersparnisse reichten gerade aus, um nach einer alten "Mühle" Ausschau zu halten. Die Leidenschaft führte nach einem Umweg über eine deutsche Triumph Boss, schließlich - ich war gerade mal 19 Jahre alt - zu einer BMW R 69 S. Aus heutiger Sicht sind das kostbare Sammlerstücke, meist nur noch im Museum zu bewundern.

Der Leser merkt es spätestens jetzt: Ich war unheilbar am Bazillus Motorrad erkrankt und unrettbar für die Autoindustrie verloren. Damit gehörte ich zu einer immer kleiner werdenden Minderheit von bedauernswerten Irren, die Motorrad fuhren und daran auch noch Spaß hatten. Man grüßte artig jeden anderen dieser seltsamen Zeitgenossen, die sogar mitten im Winter ihre Motorräder zum "Elefantentreffen" fuhren. Eigenartiger Weise halfen sich diese Sonderlinge, wenn einer mal eine Panne hatte. Es gab sogar eineSignal, wenn man Hilfe brauchte: Man band einen gelben Schaal an den Lenker. Na und jetzt… was ist denn schon normal?
Meine Freunde fuhren alsbald anstelle ihres Mopeds Auto mit Fuchsschwanz an der Antenne (und Freundin auf dem Beifahrersitz).

Es gab in den 60ern zahllose ältere deutsche Motorräder mit ehemals großen Namen, die ich in Scheunen und Hühnerställen fand, aufpeppte und dann für kurze Zeit fuhr. Die BMW machte es glatte zwei Jahre - natürlich nicht ohne Umbau mittels einer Horex Telegabel, Schleicher Nockenwellen und verstärkten Ventilfedern. Da hier einige Motorrad fahrende Senioren mitlesen, wird es bei dem einen oder anderen in der Erinnerung klingeln, wenn er diese Namen hört.

Dann kam Mitte bis Ende der 60er Jahre der große Umbruch im Motorradgeschäft. Genau zu dieser Zeit, es war so um 1965 bis 68, als niemand mehr an die Zukunft des Motorrades glaubte, kamen die Japaner auf den Markt - allen voran Honda mit einem damals gigantischen Viertakter, der 750 Four. (Für den, der sich auskennt… die CB 250 habe ich nicht vergessen, aber sie war nicht so bedeutend für die Entwicklung.)
Die Four war eine Sensation so um 1967 herum, glatte 67 PS und 750 ccm Hubraum. Obenliegende Nockenwellen direkt im Zylinderkopf gelagert und dann auch noch 67 PS. Zum Vergleich: Die BMW R 69S als stärkstes deutsches Motorrad hatte 42 PS. So was konnte doch nicht halten.!!?? Heute wissen wir, dass das die Wende war.

Der Motorradmarkt begann wieder zu wachsen. Und auch ich kaufte mir 1972 eine 750 ccm Zweitaktrakete - eine Kawasaki mit 74 PS. Das Geld reichte mittlerweile auch, um für das winterliche Dreckwetter mit einem alten VW Käfer zu fahren. Meine BMW und eine 200er DKW hatte ich verkauft und damit für mich die Ära deutscher Motorräder beendet.

Reiselust und Schrauberfrust
So ganz nebenbei hatte sich Reiselust während dieser Zeit in immer stärkerem Umfang eingeschlichen. Mit dem Kleinkraftrad konnte man damals gerade so die Eifel erreichen. Es war aber dennoch schön, am Wochenende mit einer kleinen Schar anderer junger Männer und deren Kreidler Florett, Zündapps und Herkules so weit zu fahren wie das Kleingeld reichte. Einmal wagte ich sogar die Fahrt mit meiner Herkules von Aachen nach Stuttgart. Diese Zeit war mit 18 vorbei. Und jetzt? Mit richtigen Motorrädern?

Vorbeck mit MotorradEs begann 1968 mit Spanien, später ging es auf einer Suzuki GT 250 mit Sozia und Campinggepäck ins ferne Jugoslawien bis zur Makarska Riviera. Immer dabei - die wichtigsten Ersatzteile im "Elefantenboy", dem damals einzigen vernünftigen Tankrucksack. Ohne Ersatz - Zündkerzen, Schläuche und Reservekette, diverse Schrauben, Seilzüge und Zweikomponentenkleber - hätte sich damals niemand auf eine solche Tour über tausende von Kilometern eingelassen. Für Motorräder gab es keine Werkstätten oder Ersatzteile unterwegs, in Jugoslawien schon gar nicht.

Wie oft ich unterwegs geschraubt habe? Unzählige Male, aber immer mit Erfolg. Ich habe nach einem Riss der Kette, die vorn in das Getriebegehäuse einschlug und es aufsprengte, das Gehäuse mit Zweikomponentenkleber geklebt und konnte so weiterfahren bis zur Insel Krk im damaligen Jugoslawien. Meine Maschinen waren oft stark lädiert, brachten mich aber immer wieder bis nach Hause zurück, wo meine Eltern sich um ihren missratenen Sohn ängstigten.

Einen schweren Unfall hatte ich dabei nur ein einziges Mal. Das war an den Plitwitzer Seen mit einer 750er Kawa. Schuld war ich selbst, denn ich hatte vergessen, nach einer Rast den Seitenkippständer meiner Kawasaki einzuklappen. Deshalb hebelte die Maschine in der nächsten Linkskurve aus und stürzte mit mir in den Abgrund. Doch manchmal hat man einen Schutzengel, der Büsche und Bäume so platziert, dass man relativ weich aufgefangen wird. Ich habe mir später die Stelle angesehen. Es ist für mich auch heute noch unfassbar, dass ich das mit ein paar Schrammen überlebt habe. Mit Hilfe einiger sehr hilfreicher Jugoslawen gelang es mir sogar, die Maschine wieder flott zu machen. Als Gegenleistung wollten sie nur einmal mit mir auf meinem Renner eine Runde drehen. Auch die Rückfahrt bis nach Deutschland hielt die Maschine durch. Selbstverständlich habe ich meinen besorgten Eltern nie etwas davon erzählt und die Maschine heimlich wieder in Neuzustand gebracht.

Überhaupt - meine Eltern. Sie hatten mit mir und meinem Hobby schon einiges zu erdulden. Damals gab es kein Kettenspray, sondern Castrol Kettenfett, welches man erhitzen musste, um die Kette darin auszukochen. Dazu eignete sich Mutters Herd perfekt. Allerdings sollte man während des Kochvorgangs in der Küche bleiben, was ich dummerweise nicht tat. So kam es, dass ich mein Motorrad munter weiter putzte und den Herd vergaß. Na ja, so lange, bis ich eine dunkelblaue Rauchwolke wahrnahm, die aus dem Küchenfenster herausquoll.

Hobbies verlangen eben manchmal Opfer - von mir in diesem Fall die komplette Renovierung der Küche. Wer konnte auch ahnen, wo ein Liter Fett so alles hinspritzen kann.


TEIL IIIAuch als ich geheiratet habe und Vater wurde, ließ meine Begeisterung fürs Motorradfahren nicht nach...   (Fortsetzung folgt in Kürze)


© 2009 Text und Fotos: Fred Vorbeck



Wie Freds Geschichte weitergeht (Teil III):

Im dritten und letzten Teil
von Freds Bericht (Fred alias 'fredisgarage' - so sein Mitgliedsname in unserem Club50plus), erfahren Sie, wie er sein(e) Leben als verantwortungsvoller Familienvater und passionierter Motorradfan miteinander vereinbarte, welche Maschinen Fred als ausgewachsener Biker fuhr und wie er sein Hobby heutzutage lebt. Teil III können Sie in zirka zwei Wochen, gegen Mitte April, hier auf serviceseiten50plus lesen.

Und für alle, die bis dahin noch mehr über den Motorradfan Vorbecks erfahren möchten: Hier geht es zu seiner Internetseite: www.fredis-garage.de


Motorradfans im Forum von serviceseiten50plus:

Uns, der Redaktion von serviceseiten50plus, macht Fred's Beitrag viel Spaß. Wir sind sicher, sein Bericht gefällt auch vielen unserer Leser, besonders den Motorrad-Liebhabern unter Ihnen. Einige Motorradfans haben sich ja schon in unserem Forum verewigt, allerdings nur mit sehr kurzen Beiträgen. Dabei wäre es für alle sicher interessant, mehr über einander zu erfahren und sich auszutauschen. Wie wäre es deshalb mit einigen weiteren Beiträgen unserer 50plus-Motorradfreunde in unserem Club50plus-Forum? Die Rubrik "Hobby-Forum" wartet auf Sie und Sie haben sicher viel zu erzählen - genau wie Fred!

- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus -

 

Schriftgröße ändern:
  • groß
  • mittel
  • normal
Kostenloser Newsletter:
Abonnieren Sie hier die
E-Mail-Nachrichten von serviceseiten50plus!
Kostenloser Newsletter
Eingang zum Club50plus
Nutzername:
Passwort:

Passwort vergessen?

Hier kostenfrei Mitglied werden!