Montag, 20. Oktober 2014
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Club50plus-Mitglied "baillarin2000" schreibt:

Tango Argentino - meine unendliche Reise

Wenn an meiner Wiege im Mai 1941 etwas gesungen wurde, dann sicher keine tänzerische Melodie - schon gar nicht ein Tango aus dem fernen amerikanischen Süden, vom Rio de la Plata. 51 Jahre später hörte ich seine Melancholie, seinen beunruhigenden Rhythmus zum ersten Mal. Der Argentinische Tango hatte mich entdeckt - eine unendliche Reise begann.

Neben meinem Schreibtischberuf (Diplom-Volkswirt als Berater in einem Planungsbüro von Bauingenieuren) begann ich schon vor 25 Jahren, mich mit afrikanischem, afro-brasilianischen, modernem Tanz, Salsa, Contact-Improvisation, Feldenkrais, Schauspiel und eben Argentinischem Tango vertraut zu machen. Meine allererste Begegnung mit argentinischem Tango war ein überraschendes Schnupperangebot. Mal ruckartig und mal verträumt bewegte ich mich über das Parkett der Turnhalle und die Tangolehrerin sagte: Du hast ein Gefühl für Tango, das sehe ich!

Auch wenn es zu Beginn holprig war und ich mich nicht von Mustern lösen konnte, die ich mir im Unterricht einprägte, blieb ich dabei. Nach und nach entdeckte ich die unterschiedlichen Stimmungen in den Aufnahmen der beliebtesten Orchester und damit auch die Möglichkeit, mit Variationen im Schritte-Tempo zu spielen. Der Tango ist offen und gibt Raum, eigene Vorlieben und einen eigenen Stil zu entwickeln.

"It takes two to tango." Der Argentinische Tango wird im Paar getanzt, er wird dennoch improvisiert. Der Tango ist frei, keine festen Muster sind abzuwandern. Er hat keinen Platz für Regeln, die mit "strictly ballroom" zu vergleichen wären. Dieser Tanz ist eine sehr spezielle Art des Gehens und Drehens, im Prinzip jedoch tatsächlich nur das Setzen der Füße, Schritt für Schritt. Oberkörper und Schultern steuern die Bewegung. Die Grundlage des Führens und Folgens besteht darin, sich auf den anderen Menschen einzulassen, ohne dass die Schritte festgelegt sind. Das Körpergefühl braucht einige Zeit, um dem Denken das Kommando abzunehmen. Aus dem Hinspüren werden klare Entscheidungen, du musst die Verantwortung für dich und deine Balance akzeptieren, du brauchst Geduld, Respekt und Einfühlungsvermögen. Das gilt für beide Rollen, so kann sich ein Dialog magischer Qualität entwickeln.

Inzwischen nimmt der argentinische Tango beinahe so viel Raum in meinem Leben ein wie früher meine bezahlte Arbeit. Seitdem ich vor zehn Jahren mit Ende Fünfzig arbeitslos wurde, suche ich die Kölner Tangopisten an drei bis fünf Abenden pro Woche auf. Die Fahrzeiten eingerechnet, immer per Fahrrad unterwegs, komme ich auf gut 30 Stunden pro Woche. Es gibt ganz unterschiedliche Abende und ich erlebe den Tango immer noch als Lockung und zugleich als Herausforderung. Achtsam und wach zu sein, das ist hilfreich. Ein einziges Glas Wein würde meine Aufmerksamkeit bereits spürbar beeinträchtigen. Das gilt für mich so, Andere gehen damit anders um. Ich bin jetzt in der Kölner Tangoszene bekannt, zwischen Duldung und Hingabe durchwandere ich verschiedene Herausforderungen. Gut, das ist eine sehr spezielle Art des Wanderns, des Gehens und Drehens, im Prinzip jedoch tatsächlich nur das Setzen deiner Füße, Schritt für Schritt.

Seit vielen Jahren gebe ich auch selbst hin und wieder Tango-Einzelstunden. Im Februar und März dieses Jahres habe ich das erste Mal eine kleine Gruppe von Personen der Altersgruppe 60plus unterrichtet, habe mein Konzept erfolgreich angewendet: Training des Hinspürens, regelmäßiges Wechseln in der Rolle des Führens und Folgens.

Im Oktober soll es weitergehen mit einem Kurs für Neugierige der Stufe 50plus.


Ob ich schon einmal in Buenos Aires war? Ja, laut ist es dort auf den Straßen mit den donnernden und hupenden Bussen, den ewig kreisenden Taxis. Das Tanzen in einer Milonga (so nennen sich die Tangoangebote) ist spannend und verwirrend: zum Teil sind die gleichen Stücke, die gleichen Aufnahmen zu hören wie in Köln, eingebettet in fremde Rituale. Auch in Buenos Aires ist der Tango die Leidenschaft einer kleinen Minderheit. Allerdings umfasst ein Anteil von einem Prozent in dieser Metropole mit 14 Millionen Einwohnern schon eine beachtliche Menge von Menschen. Viele von ihnen vermitteln deutlich den Stolz auf "ihren" Tanz.

Neben dem Tango habe ich noch einige weitere Interessen: Lesen, Schreiben, Familie und Liebe, Erzählen, Zuhören, Musikkulturen, Träumen, Schlafen, Essen, Laufen, Nachdenken. Aber von alledem ist immer auch etwas mit im Tango enthalten - er ist ein selbstbewusst fordernder, einmal fröhlicher und einmal trauernder Begleiter, den ich achte und liebe.

Und das ganz besonders Wunderbare daran: Du kannst den Tango bis wenige Tage oder Wochen vor deinem Abschied vom hiesigen Leben genießen, sofern du noch die Musik hören und deine Beine bewegen kannst.


© 2009-14 Text: Hartmut "baillarin2000" // auch alle Fotos sind urheberrrechtlich geschützt



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