Samstag, 01. November 2014
Sie sind hier:  Themen-Fenster Geld + Vorsorge > 3... 2... 1...: Teure...
Klicken Sie auf einen der gewünschten Unterpunkte:

Preisvergleich Bildende Kunst

3... 2... 1...: Teure Auktionen, billige Galerien?

Bild mit dem Titel Bildende Kunst ist nicht nur bei Liebhabern und Sammlern gefragt, sie gilt auch als gute Geldanlage. Doch wo lohnt sich der Erwerb von Kunstwerken am ehesten, damit die Investition überschaubar bleibt und das Geld auch gut angelegt ist - auf Auktionen oder in Kunstgalerien?

Von Auktionen werden besonders bei zeitgenössischer Kunst immer wieder Rekordpreise gemeldet. Deshalb suchen viele Käufer ihr Glück in Galerien. Dort gibt es allerdings nur selten "Schnäppchen". Im Gegenteil: Die Preise in Galerien sind im Durchschnitt doppelt so hoch wie bei Auktionen. Zu diesem überraschenden Schluss kam eine Forschergruppe der Universität Witten/Herdecke in einer groß anlegten kunstökonomischen Studie.

Rund zwei Jahre dauerte das Forschungsprojekt der Wittener Ökonomen Prof. Dr. Michael Hutter, Dr. Gunnar Pietzner, Christian Knebel und Maren Schäfer. Sie hatten untersucht, welche Preise die Werke von 100 führenden Künstlern im Zeitraum von 1970 bis 2004 erzielten. Konkret ging es um den Vergleich des Preisniveaus zwischen Auktionen und Galerien für Arbeiten derselben Künstler.

Ende der 80er Jahre, zu Zeiten des Kunstmarktbooms, bezahlte man für Bilder oder Skulpturen ein und desselben Künstlers in Galerien rund 25 Prozent mehr als bei Auktionen. Wenige Jahre später nach dem Platzen der Spekulationsblase waren die erzielten Preise in den Galerien kurzfristig sogar viermal höher. Im Durchschnitt des Untersuchungszeitraums pendelte sich der Unterschied zwischen den beiden Kunstmärkten auf den Faktor zwei ein: Galerien sind doppelt so teuer wie Auktionen.


Galerien: Für den Kunden auch ein Prestige-Faktor

Wie lässt sich nun dieser große Unterschied erklären? Einen Aspekt sehen die Wittener Wirtschaftswissenschaftler darin, dass der Erwerb von Kunst über Galerien mehr Sicherheit in Form von Wertbeständigkeit verspricht. So sichern Galeristen ihren Kunden oftmals zu, das Werk zu einem bestimmten Preis zurückzukaufen, wenn der Kunde seine Kaufentscheidung später bereuen sollte. Über die Höhe solcher vereinbarten Rückkaufsummen lassen sich wegen der Vertraulichkeit dieser Vereinbarungen allerdings kaum Angaben machen. Galeristen kümmern sich auch aktiv um die Weiterentwicklung der Künstler und damit um eine Steigerung des Marktwerts.

Ein weiterer Grund, warum Kunden bereit sind, den relativ hohen Galeriepreis zu bezahlen, liegt, so die Autoren der Studie, in einer sozialen Komponente: Der Preisaufschlag könne als eine Art "Mitgliedschaftsgebühr" für den exklusiven Zirkel der Kunstliebhaber gewertet werden. Denn als aktiver Kunde einer Galerie erhält man Einladungen zu Vernissagen, Ausstellungen und anderen exklusiven Veranstaltungen, von denen man ohne den Kunstkauf ausgeschlossen wäre.


Unterschiedliche Preisentwicklung bei Galerien und Auktionen

Wenn sich die Galeriepreise ändern, dann fast ausschließlich nach oben. Die Wittener Kunstmarktstudie spricht von einem "Preisskript", nach dem die Galeristen handeln. Demnach ist es verpönt, die Preise zu senken, weil dies einer Brandmarkung des Künstlers als unverkäuflich gleichkäme. Steigende Preise dagegen signalisieren eine steigende Nachfrage. Die Galeristen schaffen somit selbst den Eindruck von Nachfrage, was wiederum tatsächlich zu einer steigenden Nachfrage führen kann - eine Art "sich selbst erfüllender Prophezeiung".

Bei Auktionen wiederum lassen sich solche Phänomene nicht beobachten, da es sich um Märkte mit schwer kalkulierbarer Preisbildung handelt. Hier regieren die freien Kräfte des Marktes, mit der Folge großer Preisschwankungen, an deren einem Ende dann die schlagzeilenträchtigen Rekorderlöse stehen.

Einfluss des Alters eines Künstlers auf den Preis seiner Kunst

Das Wittener Forscherteam untersuchte in seiner Studie auch, welchen Einfluss das Lebensalter eines Künstlers auf die Preise seiner Werke hat. Grundsätzlich gilt für das Alters-/Preis-Profil in Galerien und bei Auktionen: Je älter ein Künstler ist, desto teurer sind seine Werke. Die kontinuierliche Steigerung pro Lebensjahr schwächt sich bei hochbetagten Künstlern allerdings etwas ab.

In Galerien klettern die Preise eines Künstlers pro Jahr zunächst um fast ein Prozent. Auf dem Auktionsmarkt ist es nicht so viel, was wiederum zur Erklärung der Tatsache beiträgt, dass die Arbeiten von bekannten und schon lange tätigen Künstlern in Galerien durchschnittlich bis zu viermal so teuer sind wie bei Auktionen. Arbeiten aufstrebender Künstler, die als Geheimtipp gelten, lassen sich also auf Auktionen noch einmal günstiger erstehen als in Galerien.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus -

Schriftgröße ändern:
  • groß
  • mittel
  • normal
Kostenloser Newsletter:
Abonnieren Sie hier die
E-Mail-Nachrichten von serviceseiten50plus!
Kostenloser Newsletter
Eingang zum Club50plus
Nutzername:
Passwort:

Passwort vergessen?

Hier kostenfrei Mitglied werden!