Mittwoch, 22. November 2017
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Auch Senioren können punkten

Einspruch gegen den Steuerbescheid: Wann es sich lohnt

Grafik Vereinigte LohnsteuerhilfeJedes Jahr legen mehrere Millionen Steuerzahlende Einspruch gegen ihren Steuerbescheid ein, die meisten mit Erfolg. Der Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. erklärt, bei welchen Sachverhalten man Einspruch einlegen sollte und dazu Chancen auf ein positives Ergebnis hat. Ein wichtiger Tatbestand sind etwa die Werbungskosten - auch Rentner können hier ein Plus für sich erzielen.

"Die Wahrscheinlichkeit steigt stetig, dass ein Einspruch gegen den Steuerbescheid angebracht ist", sagt Christina Georgiadis, Pressesprecherin des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH). Die Rechnung sei ganz einfach: Hundertaussende Steuerprofis in Deutschland müssen Tausende Vorschriften und eine Vielzahl sich ständig ändernder Gesetze überblicken, und diese auf individuelle Fälle anwenden. "Da sind Fehler und Meinungsverschiedenheiten an der Tagesordnung", so Georgiadis. Die Zahl der Steuerzahler, die sich wehren, habe in den vergangenen Jahren merklich zugenommen.

Allgemeines zum Einspruch - Form und Gründe

Der Einspruch gegen den Steuerbescheid ist kostenlos und muss binnen eines Monats ab dem Ausstellungsdatum eingelegt werden. Formale Vorgaben, wie der Einspruch auszusehen hat, gibt es nicht. Das einzige Kriterium:

  • Er sollte schriftlich erfolgen, eine E-Mail oder ein Fax genügen.
  • Außerdem ist es möglich, dem Finanzbeamten per Telefon den Einspruch zu diktieren.

Eine Begründung kann später nachgereicht werden.

Die Steuerexperten der VLH unterscheiden zwei Hauptgründe für Einspruch gegen einen Steuerbescheid:

  • Der Bescheid des Finanzamts weicht von der Steuererklärung ab.
  • Der oder die Steuerzahlende vertritt eine andere Rechtsauffassung als das Finanzamt.

Einspruchsgrund 1: Abweichung von der eingereichten Steuererklärung

Fehler im Steuerbescheid entstehen oft wegen Schnitzern wie Zahlendrehern, übersehenen Kosten und falschen Berechnungen. Als Folge der elektronischen Datenübermittlung kommt es außerdem manchmal zu Übermittlungsfehlern. Solche Mängel sollten beanstandet werden.

Zuweilen wurden im Steuerbescheid nicht berücksichtigten Kosten auch keineswegs vom Finanzamt übersehen, sondern aus bestimmten Gründen nicht anerkannt. Diese Meinungsunterschiede zwischen Fiskus und Steuerzahlenden häufen sich besonders oft bei den Werbungskosten und den außergewöhnlichen Belastungen.

Ausgerechnet die Werbungskosten und die außergewöhnlichen Belastungen sind laut Einschätzung der VLH aber die Ausgaben, mit denen Arbeitnehmer und auch Rentner einen großen Teil ihrer Steuerrückerstattung erwirken. "Hier lohnt sich der kritische Blick also besonders", betont Christina Georgiadis.

Einspruchsgrund 2: Andere Rechtsauffassung in grundlegenden Sachfragen

Ist der Steuerzahlende der Meinung, das Finanzamt müsse ihm gewisse Kosten anerkennen, weil es das Gesetz so will, bleibt nur der Einspruch gegen den Steuerbescheid. Dann geht es um die Auslegung des Steuerrechts. Ein gutes Beispiel dafür ist die Anerkennung der Gerichtskosten bei einer Scheidung. Die Rechtslage wurde 2014 vom Gesetzgeber geändert. Konnten früher die Gerichts- und Anwaltskosten bei einer Scheidung von beiden Parteien abgesetzt werden, ist das seit 2014 zumindest laut Gesetz nicht mehr möglich. Doch auch weiterhin sind in dieser und vielen anderen Steuerfragen der Gesetzgeber, Steuerprofis und Gerichte in einem ständigen Ringen, ähnlich einem Wettstreit um Fachwissen und Argumente.

Allein der Bundesfinanzhof fällt jedes Jahr knapp 3.000 Urteile, von denen viele unmittelbar Einfluss auf die Steuerpraxis haben. Hinzu kommen die Urteile der Finanzgerichte der Bundesländer. Und auch das Bundesfinanzministerium mischt bei der Rechtspflege mit - zum Beispiel durch den sogenannten Nichtanwendungserlass. Mit diesem Erlass weist das Ministerium die Finanzämter an, bestimmte Urteile gezielt zu ignorieren. Dahinter steht oft die Absicht, den Gesetzestext nachzubessern und das Urteil damit auszuhebeln.

Fazit: Im Zweifel für den Einspruch entscheiden

Auch wenn vorher nicht gewiss ist, wie Gerichte oder der Gesetzgeber entscheiden, geht man mit einem Einspruch auf Nummer sicher, rät die Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Denn man gewinnt dadurch Zeit neue Argumente ins Feld zu führen und kann sich gegebenenfalls noch Hilfe von einem Steuerprofi holen. "Berufen Sie sich beispielsweise auf ein neues Gerichtsurteil oder ein neues Gesetz, ist es möglich", sagt VLH-Sprecherin Christina Georgiadis, "dass sich das Finanzamt Ihrer Ansicht deswegen anschließt, weil es diese Regelung selbst noch nicht beachtet hat".

Zuweilen ändert sich in der durch einen Einspruch gewonnenen Zeit die Sachlage auch gänzlich. Fällt beispielsweise der Bundesfinanzhof ein Grundsatzurteil in der betreffenden Sache, das dann auch von der Steuerverwaltung angewendet werden muss, hat sich der Einspruch allemal gelohnt.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle und Foto: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH)
 

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