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Montag, 21. Mai 2012
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Finanzen

Geldanlage: Fahren Anleger besser ohne Anlageberatung?

kippender Stapel MünzenEine Untersuchung von Wirtschaftswissen-schaftlern der Goethe-Universität Frankfurt am Main liefert erstaunliche Erkenntnisse über den Nutzen von herkömmlichen Beratungsangeboten für private Anleger.

In einer umfangreichen Studie namen die Forscher Anlegerdaten von einer großen deutschen Bank sowie einem großen Online-Broker mit angeschlossenen unabhängigen Finanzberatern unter die Lupe. In beiden Fällen fanden sie heraus, dass sich Depots von Anlegern, die Beratung in Anspruch nahmen, nicht besser entwickelten als Depots vergleichbarer Anleger, die sich nicht beraten ließen.

"Die Ergebnisse lassen sich darauf zurückführen, dass die Berater die systematischen Anlagefehler ihrer Kunden nicht ausreichend korrigieren und häufig auch höhere Kosten produzieren", sagt Andreas Hackethal, einer der Studienleiter und Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität.

Anlageberater orientieren sich nicht am Nutzen für den Kunden
Die Studie sieht als Hauptursache dieser Ergebnisse die falsche Anreizstruktur für Anlageberater, für die der Kundennutzen nicht an oberster Stelle steht. Vielmehr ist es für sie attraktiver, durch den Verkauf von Anlageprodukten an den damit verbundenen Provisionen zu verdienen. So zeigt die Untersuchung zum Beispiel, dass Kunden nach einer Beratung deutlich mehr Umschichtungen an ihrem Depot vornehmen - mit entsprechenden Verwaltungskosten - als Kunden, die ihr Depot selbst verwalten.

Ein anderes Forschungspapier aus dem House of Finance belegt, dass Anleger, die sich eng an die Empfehlungen ihrer Bankberater halten, der entsprechenden Filiale zu 20 Prozent höheren Einnahmen verhelfen.

Probleme auch auf Seite der Kunden
Eine staatliche Regulierung von Anlageberatung erscheint den Forschern jedoch nicht als adäquate Lösung für den bescheidenen Anlageerfolg von Privatinvestoren.

So deckt ein anderes aktuelles Forschungspapier aus dem House of Finance auch gravierende Probleme auf der Nachfrageseite auf: Viele Kunden meiden selbst qualifizierte Beratungsangebote und vertrauen lieber auf ihr eigenes, im Durchschnitt mäßiges Anlagegeschick.

Die Studie zeigt, dass Anleger das Angebot einer kostenlosen, unabhängigen und konfliktfreien Anlageberatung - der Berater hatte hier keinen finanziellen Anreiz, bestimmte Produkte zu empfehlen - zu 95 Prozent nicht wahrnehmen. Von den verbleibenden fünf Prozent setzt nur etwa die Hälfte die Empfehlungen des qualifizierten Beraters um, und das auch in nahezu keinem Fall vollständig, obwohl die Empfehlungen durchweg zu einem verbesserten Anlage-Ertrag geführt hätten.

Regulierung auf Anbieter- und Anlegerseite erforderlich
Eine Regulierung, die ausschließlich auf der Angebotsseite von Anlageberatung ansetzt, ohne die beschriebenen Probleme auf der Nachfrageseite zu berücksichtigen - wie etwa die ab Juli einzuführenden Produktinformationsblätter -, könnte laut den Wissenschaftlern damit ihr Ziel verfehlen. "Die Studienergebnisse lassen Skepsis angebracht erscheinen, ob Produktinformationsblätter den erhofften Transparenz- und Lerneffekt bringen", sagt Finanzexperte Andreas Hackethal.

Typische Anlageberatungskunden: ältere, erfahrene Investoren
Die Studienergebnisse zeigen den Forschern zufolge auch, welcher Personenkreis typischerweise Anlageberatung in Anspruch nimmt. Demnach suchen überwiegend ältere, wohlhabendere und erfahrenere Investoren einen Berater auf. "Nach unseren Ergebnissen sollte man die Vermutung korrigieren, dass sich Finanzberatung vor allem an unerfahrene und deshalb besonders schützenswerte Investoren richtet", so Andreas Hackethal.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle: House of Finance - Goethe Universität Frankfurt am Main


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