Donnerstag, 02. Oktober 2014
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Neues bei der Einkommensteuer im Jahr 2012

Steueränderungen für Arbeitnehmer und Rentner

Einige Änderungen und Neuerungen bei der Einkommensteuer im Jahr 2012 bringen Steuerzahlern mehr Geld ins Portemonnaie - Renten dagegen werden stärker besteuert.Mit dem Jahressteuergesetz 2011 startete der deutsche Gesetzgeber einen weiteren Versuch zur Vereinfachung des Steuerdschungels. Ab dem Jahr 2012 stehen damit einige Steueränderungen an.
Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. gibt einen Überblick über das Wichtigste für Arbeitnehmer und Rentner:


1. Steuererklärungsabgabepflicht

Generell besteht nur eine Abgabepflicht für die Einkommensteuererklärung, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte - das heißt die Summe der steuerpflichtigen Einkünfte - den Grundfreibetrag von 8.004 Euro bei Alleinstehenden, beziehungsweise 16.008 Euro bei Verheirateten übersteigt.

2. Zweijährige Abgabe der Steuererklärung für Arbeitnehmer und Rentner entfällt

Bundesfinanzminister Schäuble hatte vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer und Rentner auf Antrag ihre Steuererklärungen für zwei aufeinander folgende Jahre erst nach Ablauf des zweiten Jahres zusammen abgeben können. Angebliches Ziel war, dass sich der "einfache Bürger" nur alle zwei Jahre mit dem Steuerrecht zu befassen brauche. Der Bundesrat sah darin nur einen geringen Vereinfachungseffekt bei den Bürgern, jedoch Mehrarbeit bei den von den Bundesländern getragenen Finanzämtern. Zudem sei eine "Zwei-Jahres-Erklärung" für die meisten Arbeitnehmer auch nicht attraktiv, weil diese regelmäßig eine zeitnahe Steuerrückzahlung erwarteten. Im Vermittlungsausschuss hat Schäuble nun eingelenkt und die Idee ist erst einmal vom Tisch.

3. Start von ELStAM erneut verschoben

Mit dem Jahreswechsel 2011/2012 sollte die bisherige Papp-Lohnsteuerkarte endgültig durch die elektronische Lohnsteuerkarte ersetzt werden. Dabei sollten die bisherigen "Lohnsteuerabzugsmerkmale" auf einer elektronischen Datenbank gespeichert und auf Knopfdruck durch den Arbeitgeber abrufbar sein. Wie die Finanzverwaltung bekannt gegeben hat, wird das neue Verfahren wegen technischer Probleme erst ab 2012 eingeführt. Daher müssen die "alten" Papp-Lohnsteuerkarten aus 2010 wie schon in 2011 auch, in 2012 weiter verwendet werden.

4. Kindergeld / Kinderfreibetrag - größere steuerliche Entlastung

Der Kinderfreibetrag und der Betreuungsfreibetrag betragen pro Elternteil 2.184 Euro beziehungsweise 1.320 Euro. Somit wächst für Eltern und Elternteile die steuerliche kindbedingte Entlastung. Für volljährige Kinder in Berufsausbildung oder freiwilligem Dienst erhalten die Eltern Kindergeld oder steuerliche Freibeträge bis die Kinder das 25. Lebensjahr erreichen.

Die in der Praxis oftmals zeitaufwendige Ermittlung der eigenen Einkünfte und Bezügen von Kindern entfällt ab dem Jahr 2012. Bisher hatten die Eltern von volljährigen Kindern nur Anspruch auf Kindergeld, wenn die Kinder keine Einkünfte und Bezüge von mehr als 8.004 EUR im Jahr hatten. Ab 2012 entfällt diese Voraussetzung für den Kindergeldbezug.
 

5. Neuregelung bei den Kinderbetreuungskosten

Mit dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 hat der Gesetzgeber die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten deutlich vereinfacht. Die Kosten sind ab 2012 einheitlich nur noch als Sonderausgaben abzugsfähig. Eine Unterscheidung in erwerbsbedingte und nicht erwerbsbedingte Kosten, wie Sie bis 2011 vorgenommen werden musste, entfällt. An der Höhe der abziehbaren Aufwendungen hat sich allerdings im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert. Wie bisher auch können Eltern 2/3 der Kosten, maximal 4.000 Euro pro Kind und Jahr steuerlich geltend machen. Dies gilt unterschiedslos für alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr. Für Kinder, die aufgrund einer vor dem 25. Lebensjahr eingetreten seelischen, geistigen oder körperlichen Behinderung außer Stande sind sich selbst zu unterhalten, gilt die oben genannte Altersgrenze von 14 Jahren allerdings nicht

6. Kindergeld während Freiwilligendiensten bewilligt

Mit Einführung von zwei neuen Freiwilligendiensten im Jahr 2011 (internationaler Jugendfreiwilligendienst zum 01.01.2011 und Bundesfreiwilligendienst zum 01.07.2011) wurde zunächst versäumt gesetzlich zu regeln, ob für die Zeit während der Dienste ein Anspruch auf Kindergeld besteht. Dies hat der Gesetzgeber jetzt nachgeholt und den Kindergeldanspruch für die Zeit der Freiwilligendienste ins Gesetz geschrieben. Damit haben Eltern während der Dienstzeit Anspruch auf alle Kind bedingten steuerlichen Vergünstigungen.

7. Aktuelle Rechtsprechung zur regelmäßigen Arbeitsstätte

Bisher konnten Arbeitnehmer innerhalb desselben Dienstverhältnisses mehrere regelmäßige Arbeitsstätten nebeneinander haben, wenn sie beispielsweise in verschiedenen Filialen des Arbeitgebers eingesetzt wurden. Das hatte zur Folge, dass Fahrten zu sämtlichen Filialen nur mit der Entfernungspauschale abziehbar waren. Nun hat der Bundesfinanzhof aber entschieden, dass bei dauerhaft angelegter Berufstätigkeit in wechselnden Betriebsstätten des Arbeitgebers maximal EINE dieser Arbeitsorte die "regelmäßige" Arbeitsstätte sein kann. Diese eine regelmäßige Arbeitsstätte, die ein Arbeitnehmer höchstens haben kann, liegt an dem Ort, an dem der Arbeitnehmer typischerweise den Schwerpunkt seiner Arbeitsleistung erbringt bzw. zu erbringen hat.

Dies bedeutet, dass nur noch die Fahrten zu der "Schwerpunkt-Filiale" mit der Pendlerpauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer anzusetzen sind. Die Fahrten zu den anderen Betriebsstätten können als Dienstreise mit 30 Cent je gefahrenem Kilometer (also mit dem doppelten Wert) steuerlich geltend gemacht werden. Unter Umständen führt diese neue BFH Rechtsprechung sogar dazu, dass bestimmte Arbeitnehmergruppen unter Umständen jetzt gar keine regelmäßige Arbeitsstätte mehr haben. Dies kann vor allem typische Außendienstler, Bauhandwerker, Monteure sowie das Fahrpersonal - jedenfalls im Normalfall - betreffen.

8. Steuerliche Absetzbarkeit von Personenversicherungen / Basisversicherungen

Die Beiträge in eine Basisversicherung wie zum Beispiel die gesetzliche Rentenversicherung oder die "Rürup-Rente" sind nun verbessert mit 74 Prozent, maximal 14.800 Euro abziehbar. Für Verheiratete gilt der doppelte Betrag.

Kranken- und Pflegeversicherung beziehungsweise sonstige Personenversicherungen:
Bereits ab 2010 ist die steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung aufgrund der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts verbessert worden, so dass nun Beiträge zur gesetzlichen und privaten Basiskrankenversicherung sowie zur gesetzlichen Pflegeversicherung in tatsächlicher Höhe als Sonderausgaben abziehbar sind.

Bei sehr niedrigem Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen (zum Beispiel bei freier Heilfürsorge oder Beamten mit hohem Beihilfesatz) können auch sonstige Personenversicherungen bis zu einem Höchstbetrag von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro berücksichtigt werden.

Somit können somit die Bürger höhere Versicherungsbeiträge als bisher als Sonderausgaben steuerlich absetzen.

9. Einkommensteuer für Rentner

Für Personen, welche ab 2012 die gesetzliche Rente erhalten, beträgt der steuerfreie Anteil 38 Prozent. Damit steigt der steuerpflichtige Anteil auf 64 Prozent (bisher 62 Prozent).

10. Höhere Bemessungsgrenzen


- bei der Kranken- und Pflegeversicherung

Die Bemessungsgrenze der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigt 2012 um 1.350 Euro auf 45.500 Euro. Bis zu diesen Jahresbruttolöhnen werden Sozialabgaben berechnet.

-  bei der Arbeitslosen- und Rentenversicherung (West)

Die Grenzen für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung betragen weiterhin 57.600 Euro für Beschäftigte in den neuen und jetzt 67.200 Euro anstatt 66.000 Euro (2011) in den alten Bundesländern. Bis zu diesen Jahresbruttolöhnen werden Sozialabgaben berechnet.

11. Steuerliche Abziehbarkeit von Kosten der Erstausbildung

Mit Urteilen vom 17.08.2011 - VI R 38/10 und VI R 7/10 hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass auch Kosten für die berufliche Erstausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses steuerlich als Werbungskosten abzugsfähig sein können, wenn ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang mit späteren Einnahmen besteht. Erfreulich ist das Urteil vor allem für Studenten, die Ihre Aufwendungen bisher lediglich im Rahmen der Sonderausgaben geltend machen und damit nicht in zukünftige Jahre vortragen konnten.

Das Bundesfinanzministerium will diese für den Steuerpflichtigen günstige Regelung allerdings nicht über die entschiedenen Fälle hinaus anwenden. Vielmehr hat der Gesetzgeber die steuerliche Abzugsfähigkeit der Erstausbildungskosten rückwirkend ab 2004 abgelehnt. Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe hält dies allerdings für rechtlich fragwürdig und empfiehlt daher allen Betroffenen, die Aufwendungen auch künftig als vorweggenommene Werbungskosten geltend zu machen.


 

- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle: Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH)

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