Auch bei Autoreparaturen und beim Arzt wird geschummelt
Betrug bei Taxifahrten: Unkenntnis erhöht den Preis
Wer in einer fremden Stadt ins Taxi steigt, wird selten auf den kürzesten Weg zum Ziel gebracht. Das sagen Forscher am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit, die untersucht haben, ob die Unwissenheit eines Fahrgastes den Taxifahrer zum Betrug verleitet. Ein Forscherteam der Universität Innsbruck testete auf den Straßen Athens. Auch hier das Fazit: Jeder zweite Taxikunde bezahlt zu viel.
Bei ortsfremden Passagieren schlagen die Taxifahrer gerne einen besonders hohen, ungerechtfertigte Mehrpreis auf die Summe. Ökonomen sprechen bei Taxifahrten von "Vertrauensgütern".
"Wir konnten zeigen, dass die Taxifahrer auf Informationsdefizite reagieren", erläutert der Innsbrucker Ökonom Matthias Sutter in einem Gespräch mit dem Mediendienst Pressetext. Für ihr Experiment schickten die Forscher drei Versuchspersonen auf insgesamt 174 Testfahrten im Stadtgebiet von Athen. Die Testkunden verbrachten rund 63 Stunden in Taxis und legten dabei 2.236 Kilometer zurück. Um die tatsächlich gefahrene Strecke mit der optimalen Route vergleichen zu können, war jede der drei Testperson mit einem GPS-Gerät ausgestattet.
Taxifahrer wählen bei ortsfremden Kunden oft Umwege
Einer der Fahrgäste in dem Experiment sprach nur Englisch, ein weiterer stellte sich als ortsfremder Grieche vor, der dritte als einheimischer Athener. Darüber hinaus kleideten sich die Versuchspersonen mal ärmlich und mal edel. Das Ergebnis: Fast jeden zweiten Passagier brachten die Taxifahrer über einen Umweg zum Ziel. Erwartungsgemäß fiel die Fahrt bei ortsfremden Kunden deutlich weiter und länger aus als beim einheimischen Athener. Durchschnittlich bezahlten einheimische Athener nur etwa vier Prozent mehr als für eine optimale Fahrt.
Für ortsfremde Griechen lag der Aufschlag bei neun Prozent, während Ausländer mit 19 Prozent zusätzlich zur Kasse gebeten wurden. "Der gefühlte Informationsvorsprung gegenüber dem Kunden hat demnach einen entscheidenden Einfluss auf das Ausmaß des Betrugs", sagt Sutter. Tendenziell mussten Fahrgäste mit teurer Kleidung und exklusivem Fahrtziel einen höheren Preis entrichten.
Auch bei vielen anderen Dienstleistungen wird geschummelt
Solche Übervorteilungen finden sich auch bei anderen Dienstleistungen, die "Vertrauensgüter" sind. Dies trifft auch auf das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten oder Automechanikern und Werkstattkunden. Bei Vertrauensgütern ist der Kunde auch im Nachhinein nicht in der Lage, die Qualität der Leistung zu beurteilen. Die Schäden sind immens: Das US-Verkehrsministerium etwa geht davon aus, dass über die Hälfte der in Rechnung gestellten Autoreparaturen unnötig sind. Studien aus der Schweiz zeigen, dass der durchschnittliche Patient um ein Drittel häufiger operiert wird als Ärzte und deren Angehörige.
Kunden sollten sich bei Unkenntnis durch Schlauheit schützen
Solange es keinen wirksamen juristischen Schutz gibt, muss sich jeder selber helfen: "Wer sein Informationsdefizit ohne Not kundtut, läuft erhöhte Gefahr übers Ohr gehauen zu werden", sagt Sutter. Beispielsweise ist es sinnvoll, sich vor dem Werkstattbesuch mit einigen technischen Fachbegriffen vertraut zu machen. Auch Patienten könnten teure Fehlbehandlungen mitunter vermeiden, wenn sie im Gespräch mit dem behandelnden Arzt einen - wenn auch fiktiven - Mediziner in der Familie erwähnen.
- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de - // Quelle: pressetext




