Sonntag, 19. November 2017
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Jeder Ort hatte seine eigene Zeit

Einheitliche Uhrzeit erst seit 1893 deutsches Gesetz

Bahnhofsuhr mit ZiffernblattEine einheitliche Uhrzeit ist für uns Mitteleuropäer heute selbstverständlich im Alltagsleben. Wenn etwa Ahnenforscher in Kirchenbüchern oder anderen alten Dokumenten Zeitangaben minutengenau abschreiben und in ihre Datenbestände integrieren, wissen deshalb nur wenige, dass es sich dabei um die Ortszeit handelt. Eine einheitliche Zeitbestimmung gibt es in Deutschland nämlich erst seit 1893.

Jeder Ort hatte seine eigene Zeit

Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte jeder Ort seine eigene Zeit, die sich nach dem Stand der Sonne richtete und über die Kirchturmuhr angezeigt wurde. Das hatte zur Folge, dass nicht nur die Uhren Stuttgarts, Mannheims oder Karlsruhes, sondern auch benachbarter Dörfer je nach Längengrad unterschiedlich gingen. Niemanden störte es, wenn die Uhrzeit zwischen zwei benachbarten Orten um eine oder zwei Minuten voneinander abwich. Denn im Alltag spielte das kaum eine Rolle. Viele Menschen lebten, wohnten und arbeiteten an einem Ort. Und wer verreiste, tat dies zu Fuß oder war tage- und wochenlang mit der Postkutsche unterwegs.

Mit der Eisenbahn fing alles an

Erst mit Aufkommen der Eisenbahn entstand die Notwendigkeit, die Zeiten zu normieren. Sie war Anfang der 1840er-Jahre mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern das schnellste Verkehrsmittel. Jetzt waren Reisen, die vorher Tage gedauert hatten, in wenigen Stunden zu bewältigen und aus Sicherheitsgründen mussten die Zeiten einheitlich sein. Die Eisenbahngesellschaften führten nun die Normalzeit ein. In der Regel war das die Ortszeit am Sitz der jeweiligen der Gesellschaft. So gab es in Deutschland vier Normalzeiten und rund um den Bodensee sogar fünf Zeitzonen, denn hier stießen fünf verschiedene Länder mit fünf verschiedenen Zeiten aufeinander. Wenn die Uhren im österreichischen Bregenz den Mittag anzeigten, war es in Romanshorn am Schweizer Ufer 11.32 Uhr. Zum gleichen Zeitpunkt war es im bayerischen Lindau 11.49 Uhr, im württembergischen Friedrichshafen 11.39 Uhr und im badischen Konstanz 11.36 Uhr.

Mit zunehmender Vernetzung der Verkehrs- und Kommunikationsmittel wurden bis in die 1860er-Jahre in vielen europäischen Staaten einheitliche Zeiten eingeführt. Maßgeblich war zumeist die Ortszeit der jeweiligen Hauptstadt. Eine Ausnahme bildete das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Dort galt nicht die Wiener, sondern die Prager Zeit.

Der kanadische Eisenbahn-Ingenieur Sandford Fleming schlug bereits 1876 vor, die Welt in 24 Zeitzonen einzuteilen, die jeweils um eine Stunde voneinander abwichen. Jede Zone sollte sich über 15 Längengrade erstrecken. Es vergingen jedoch acht Jahre, bis auf der Internationalen Längenkonferenz in Washington der Längengrad des Royal Observatory in Greenwich zum Nullmeridian bestimmt wurde.

Schließlich wurde erst 1893 mit dem "Gesetz betreffend der Einführung einer Einheitlichen Zeitbestimmung" eine einheitliche Uhrzeit in Deutschland amtlich verordnet. Die Umstellung der Landes- und Ortszeiten erfolgte am 1. April 1893. Damit wurde die mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades als gesetzliche Zeit festgeschrieben.



- REFR /Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -

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