Glück der Geschlechter abhängig von Gesellschaft
Studie: Deutsche Frauen sind auch ohne Ehe glücklich
Das Glück liegt auch in unserer Umgebung: Ob Frauen eher in der Ehe oder in einer eheähnlichen Gemeinschaft glücklich sind, hängt von den Werten der Gesellschaft ab, in der sie leben.
Generell gilt: je konservativer die Gesellschaft, desto unglücklicher sind Frauen in eheähnlichen Gemeinschaften im Vergleich zu den verheirateten Frauen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie Kölner Forscher vom Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität zu Köln. Die Wissenschaftler werteten dafür die Daten einer Befragung von insgesamt 22 000 verheirateter und unverheirateter in Partnerschaften lebender Frauen und Männer in 28 Ländern aus - knapp 900 davon in Deutschland. Die Ergebnisse der Studie wurden im April 2011 in London vorgestellt.
Glückunterschiede im Zusammenleben der Geschlechter
Das Ziel der Studie war es herauszufinden, ob es Glücksunterschiede zwischen verheiratet und unverheiratet zusammenlebenden Männern und Frauen gibt. Darüber hinaus wollten die Psychologen untersuchen, ob diese Geschlechterunterschiede - falls vorhanden - über viele Kulturen hinweg konstant sind.
"Die Studie zeigt, dass das Glück nicht nur innerhalb einer Person liegt, sondern auch außerhalb - in ihrer Umgebung", erklärt Olga Stavrova, Mitglied des Forscherteams. Dafür befragten sie Männer und Frauen von Australien über Brasilien, den skandinavischen Ländern, bis Ost- und Westeuropa.
Auf einer 7-Punkt-Skala von 0 (glücklich) bis 7 (absolut unglücklich) wurde das subjektive Glücksempfinden der Probanden gemessen. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang mit der Einstellung der umgebenden Gesellschaft zu den Themen Geschlechterrollen beziehungsweise Rollen und gesellschaftlicher Status von Männern und Frauen.
Die Länder mit den ausgeprägtesten traditionellen Rollenerwartungen speziell an die Frau waren Bulgarien, Mexiko, die Slovakei, Brasilien und die Vereinigten Staaten. Dort erlebten Frauen in eheähnlichen Partnerschaften die stärkste Missbilligung durch ihre Umwelt. So sind im konservativen Bulgarien verheiratete Frauen 0,8 Punkte glücklicher. In liberalen skandinavischen Ländern bringt die offizielle Ehe hingegen nicht mehr Glück als das inoffizielle Zusammenleben.
Deutschland liegt mit seinen gesellschaftlichen Konzepten von Geschlechtergleichheit im Mittelfeld. Es ist weder zu konservativ noch zu liberal was die Geschlechterrollen angeht. Hier gibt es für Frauen keinen großen Unterschied ob sie in der Ehe und eheähnlichen Gemeinschaften leben.
Gesellschaft beeinflusst Gefühl von Glück und Unglück in vielen Lebensbereichen
Damit unterstützt die Studie die Ergebnisse anderer Arbeiten der Wirtschaftspsychologen, die zeigten, dass Arbeitslose vor allem in solchen Ländern unglücklich sind, in denen die gesellschaftliche Moral besagt, dass jeder von der eigenen Arbeit leben muss. Oder dass religiöse Menschen vor allem in solchen Ländern glücklich sind, in denen es viele religiöse Leute gibt.
"Ob unser Status, Lebensform oder Glauben uns glücklich machen, hängt nicht nur davon ab, was für ein Status oder Glaube es ist, sondern davon, ob wir in einer Gesellschaft leben, die diesen Status oder Glauben unterstützt oder nicht", so Stavrova.
Widerlegt: bisherige Annahmen über das Zusammenleben von Mann und Frau
Die Kölner Studie widerlegt bisher geltende Anahmen über das Thema Glück in Ehe und eheloser Gemeinschaft. Frühere Studien hatten gezeigt, dass verheiratete Menschen glücklicher seien als diejenigen, die in eheähnlichen Gemeinschaften lebten. Unterschiedliche Erklärungen wurden angeboten: die Ehe bedeute größere Bindung oder Hingabe und Zuverlässigkeit, die Verheirateten seien religiöser und deswegen glücklicher.
"Unsere Ergebnisse konnten zeigen, dass es - zumindest im Fall der Frauen - nicht an der Ehe selber liegt, sondern an den dominierenden gesellschaftlichen Vorstellungen über die sozialen Rollen von Männern und Frauen", erläutert Olga Stavrova.
Verheiratete Frauen, so das Fazit der Forscher, sind nur dann glücklicher als Frauen in eheähnlichen Gemeinschaften, wenn sie in Ländern leben, die aufgrund ihrer gesellschaftlich konservativen Moral das Zusammensein in eheähnlichen Gemeinschaften nicht gestatten.
- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de - // Quelle: Universtität zu Köln




