Mittwoch, 18. Juli 2018
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Was Sie schon immer wissen wollten

Warum weinen wir eigentlich Krokodilstränen?

Weinendes MädchenVergießt jemand "Krokodilstränen", so meinen wir damit, diese Gefühlsbezeugung sei falsch, vorgetäuscht und heuchlerisch. Aber warum heißen die Krokodilstränen eigentlich so? Was haben Krokodile damit zu tun - und was die alten Griechen, das Mittelalter oder gar Martin Luther? Und warum spielen Krokodilstränen heute sogar in der Medizin eine Rolle? - Fragen über Fragen, auf die Sie nachfolgend einige Anworten finden.

Die Krokodile

Tatsächlich können Krokodile keine richtigen Tränen weinen. Sie sondern lediglich eiweißreiches Sekret durch eine Drüse ab, die dicht hinter dem dritten Augenlid liegt, das das Auge durch seine Wischbewegung reinigt. Diese Flüssigkeit dient als antibakterielle Schmiere zum Schutz des Krokodilauges beim Tauchen. Öffnen Krokodile ihr Maul sehr weit, wie es bei der Nahrungsaufnahme der Fall ist, wird Druck auf die Drüse hinter dem Auge ausgeübt und das tränenähnliche Sekret fließt.

Dass die Reptilien so beim Fressen feuchte Augen bekommen, haben Forscher aus aller Welt beobachtet. Das könnte dazu geführt haben, dass heutzutage die Redensart "Krokodilstränen weinen" nicht nur im Deutschen, sondern auch in anderen Sprachen vorkommt, etwa im Niederländischen "Krokodilletranen", im Englischen "crocodile tears" und im Französischen "verser des larmes de crocodile".

Die Geschichte

Die Entstehung der Redensart, nach der Krokodilstränen eine geheuchelte Zurschaustellung von Trauer, Betroffenheit oder Mitgefühl zum Ausdruck bringen, ist jedoch bis heute nicht ganz geklärt: Nach der naturwissenschaftlichen Enzyklopädie des französischen Mönches Bartholomaeus Anglicus aus dem 13. Jahrhundert weinen Krokodile ihren Opfern nach, das heißt, sie heucheln Trauer über ihre Beutetiere.

Seit dem Mittelalter wurde die Umdeutung in Sagen weit verbreitet, wonach das Krokodil listigerweise wie ein kleines Kind weint und schluchzt, um seine Opfer anzulocken und dann zu verschlingen. Diese Idee geht wohl auf die Harpyien (griechische Fabelwesen) zurück, denen ein ähnlich hinterlistiges Verhalten nachgesagt wurde, das man dann auf die armen Krokodile übertrug. Tatsächlich weint das Krokodil aber nicht. Wahr ist hingegen, dass die jungen Tiere kurz vor dem Ausschlüpfen aus dem Ei zu schreien beginnen. Die Krokodilmutter wird dann sehr aggressiv und verteidigt das Gelege gegenüber allen, die sich ihm nähern.

Die Redensart soll laut Institut für Deutsche Sprache in Mannheim erst später durch Martin Luther entstanden sein. Die Vorstellung, das erbarmungslose Krokodil würde falsche Tränen vergießen, war so ein starkes Sinnbild, dass es die Literatur eroberte.

Die Gegenwart

Heutzutage sind Krokodilstränen aber auch im medizinischen Bereich zu finden: Nach der Heilung einer Lähmung des Gesichtsnervs, Fazialisparese, kommt es in seltenen Fällen zu einer einseitigen vom Patienten selbst manchmal nicht bemerkten vermehrten Tränensekretion beim Essen, das sogenannte Krokodilstränen-Phänomen. Dies entsteht, wenn Sekretfasern, die der Gesichtsnerv eigentlich für die Speicheldrüse führt, im Rahmen der Heilung des Nervs "irrtümlich" in die Tränendrüse eingewachsen sind. Die fehlerhafte Vernetzung zwischen Geschmacksfasern und Tränendrüse bei der Neubildung von Nervenfasern führt dann zum Tränenfluss bei der Nahrungsaufnahme.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus -
- Quelle: dgk

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