Samstag, 25. Oktober 2014
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Krankheitsbilder früh kennenlernen

Alzheimer in der Familie: Expertentipps für Angehörige

betagter SeniorEine Demenz verändert den Menschen mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Dies mitzuerleben ist neben dem Betroffenen meist auch für die Angehörigen und das weitere Umfeld sehr belastend. Die allmähliche Veränderung kann viele Gesichter haben. Für die Familie ist es wichtig, sich bereits in den ersten bemerkbaren Anfängen mit diesem Leiden auseinanderzusetzen, um Missverständnisse und Konflikte zu begrenzen.

Angehörige sollten Leistungsvermögen des Dementen richtig einschätzen können

"Wenn das Umfeld lernt zu verstehen, was in dementen Menschen vorgeht, was sie brauchen und wie sie reagieren, kann zumindest ein Teil an Konflikten und Belastungen vermieden werden", sagt Dr. Martin Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie.

"Zum Beispiel ist die Wahrnehmung der eigenen Einschränkungen den Betroffenen schon zu Krankheitsbeginn sehr klar", erklärt der Gerontopsychiater. "Viele reagieren darauf mit tiefer Verunsicherung, mit Ängsten oder Niedergeschlagenheit. Werden sie nun zusätzlich mit Aussagen wie 'Jetzt streng dich mehr an' oder 'Du musst mehr üben' bedrängt, beeinträchtigt dies schnell das Selbstwertgefühl der Erkrankten, wenn sie nicht mehr in der Lage dazu sind, leistungsfähiger zu sein. Beschämung, Resignation und schließlich eine Depression können die Folgen sein, die das Wohlbefinden der Erkrankten weiter schmälern und die Krise verschärfen."

Die Familie sollte deshalb versuchen, das Leistungsvermögen der Betroffenen richtig einzuschätzen. Dabei müssen sie bedenken, dass Demenzkranke oft versuchen, ihre Einschränkungen durch Ausflüchte oder Vermeiden von überfordernden Situationen zu überspielen.

Eigenständigkeit ist für Demenzkranke oft wichtiger als der Gedächtnisverlust

Im Kontakt zu nahen Bezugspersonen kann es darüber hinaus zu Konflikten kommen, wenn den Beteiligten die Hintergründe von Verhaltensveränderungen bei Demenzkranken wie etwa plötzlichen Aggressionen unklar sind. "Alzheimer-Kranke bauen oft eine Art Schutzzone um sich herum auf. Wird die Grenze dieser Zone überschritten, fühlt sich die Person angegriffen und nicht mehr sicher in ihrem Umfeld. Dann kann aggressives Verhalten eine natürliche Reaktion auf die Situation sein", erläutert Dr. Haupt.

Eine solche Überschreitung kann beispielsweise eine Hilfestellung beim Waschen oder Anziehen sein. Es kann vorkommen, dass sich der Erkrankte dadurch eingeengt fühlt, Angst und Scham empfindet und es zur Abwehrhaltung und Wutausbrüchen kommt.

Der Verlust der Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit bei Alzheimer wird oft noch schmerzlicher empfunden als die Störungen des Gedächtnisses.

Frühe professionelle Hilfe positiv für die Familie und das demente Familienmitglied

Meistens entsteht ein aggressives Verhaltensmuster aus dem Aufeinanderwirken zwischen der verwirrten Person und ihrer Umwelt. "Betroffene Familien sollten sich am besten mit professioneller Hilfe auf die Krankheitsfolgen von Demenz vorbereiten, um den gemeinsamen Alltag möglichst friedlich und erfüllend zu gestalten", rät der Experte.

Insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung kann auch für den dementen älteren Menschen eine psychotherapeutische Hilfe ratsam sein, damit er sein Leben trotz Erkrankung, die er ja zu diesem Zeitpunkt bewusst erlebt, als sinnvoll empfindet. Von Anfang an ist es wichtig, das Selbstvertrauen von Demenzkranken zu stabilisieren und die Teilnahme am alltäglichen Leben nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit des Betroffenen zu unterstützen.

Mehr Selbstvertrauen bedeutet auch mehr Wohlbefinden und dadurch mehr Leistungskraft, die dem Fortschreiten der Erkrankung entgegengesetzt werden kann.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie

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