Glückliche Seniorenzeit
Positiv altern - Golden Retriever Ipo zeigt wie’s geht
Warum kommen uns Menschen beim Gedanken an das Alter sofort erdenk-
lich viele negative Aspekte in den Sinn? Wir denken an Einschränkungen durch Alters-Zipperlein. Die Angst vor nachlassenden Körperkräften und Krankheit versperrt uns oftmals den Weg die schönen Seiten des Älterwerdens zu genießen.
Golden Retriever Ipo ist über 15 Jahre. In Menschenjahren gerechnet ist er bereits über 100. Täglich zeigt er, wie man nachlassenden Körperkräften mit Gelassenheit begegnet und wie es gelingt bis ins hohe Alter Freude am Leben zu haben. Hundebuchautorin Beate Schmöller schildert, was sie von Ipo über das Älterwerden lernt.
Erfahrung macht den Meister
Bis ins hohe Alter war Ipo ein besonders aktiver und leistungsorientierter Hund. Andere Hunde lernten ihn als agil, vor Muskelkraft strotzend und körperlich überlegen kennen. Ipos Selbstbewusstsein war lange von seiner körperlichen Stärke und enorm guten Konstitution geprägt. Ich war gespannt, wie Ipo in Bezug auf sein Selbstbewusstsein wohl mit seinen nachlassenden Körperkräften umgeht. In seinem altbekannten Hundekreis änderte sich wenig. Ipo war als Rudelchef akzeptiert und fest etabliert. Die jüngeren Hunde sahen immer noch zu ihm auf, um so viel wie möglich von ihm zu lernen. Als unser Vierbeiner mit 13 Jahren einen Umzug zu meistern und sich in neue Hunderunden zu integrieren hatte, war ich verblüfft, wie gut ihm das gelang. Während er früher seine Rudelherrschaft durch Laufduelle gewann, orientierten sich viele der jüngeren Hunde jetzt ganz von selbst an ihm. Obwohl Ipo körperlich nicht mehr der stärkste war, wurde er sofort als neuer Seniorchef akzeptiert.
Gelassen und Souverän im Alter
Rüpelhafte Jungspunde brachten Ipo in jungen Jahren regelrecht auf die Palme. Er gab nicht auf, ehe er einem pubertierenden Flegel nicht die Grenzen aufgezeigt hatte. Heute bringt Ipo nichts mehr so leicht aus der Ruhe. Kläffende Raufbolde und vor Temperament überschäumende Junghunde ignoriert er ganz einfach. Er bleibt ruhig und lässt sie einfach passieren. Vieles was Ipo in jungen Jahren unruhig stimmte, nimmt er heute mit Gelassenheit. Er ist eben in vielen Dingen ein alter Hase. Anhand der Schuhe die ich anziehe weiß er schon, ob wir zu gemeinsamen Spaziergängen aufbrechen oder ein Einkaufsbummel ansteht.
Wenn wir den Wohnwagen vom Stellplatz holen beobachtet er mit einer Seelenruhe, wie wir alle Reiseutensilien darin verpacken. Früher lief er aufgeregt hinter uns her. Ständig stand er im Weg und machte auf sich aufmerksam damit wir ihn ja nicht vergessen. Heute hat er die Gewissheit, dass wir sowieso keine Reise ohne ihn unternehmen. Wenn mein Mann in grauer Anzughose Ipos Schmusekurs nicht erwidert, kehrt er ihm den Rücken und legt sich auf seine Hundedecke. So nach dem Motto: Ich weiß, dass ich bei diesem Anlass nicht gefragt bin und zu Hause auf dich warten muss. Ipos geschultes Auge entgeht nichts. Er hat uns jahrelang beobachtet und zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtigen Schlüsse aus unserem Verhalten.
Nur das machen, wozu man Lust hat
Golden Retriever haben ein ausgeglichenes Wesen. Tatsächlich sind sie leichtführige Hunde, deren Erziehung selbst Hundeanfängern wenig Schwierigkeiten bereitet. Auch Ip
o war viele Jahre ein gelehriger Hund, der für ein Lob in Windeseile die Grundkommandos "Sitz, Platz oder Fuß" ausführte. Seine Apportierlust war grenzenlos und vom Haustürschlüssel, über Schuhe bis hin zu rohen Eiern transportierte er gewissenhaft alles, was man ihm vor die Pfoten legte. Während er auch heute noch gerne alles durch die Gegend trägt, ignoriert er ehemals fest sitzende Befehle immer öfter.
Auf Spaziergängen ignoriert er Rückrufversuche, wenn ein interessanter Geruch seine ganze Aufmerksamkeit fordert. Allein das Rascheln der Kekstüte lässt ihn aufhorchen, was darauf hin deutet, dass sein Hörvermögen noch nicht nachgelassen hat und er nur nicht kommen will. Hat er Bekanntschaft mit einer netten Hundedame gemacht, braucht es Überredungskunst, ehe er sich wieder von ihr trennt. Mit einem leichten Leinenruck und dem Kommando "Ipo, komm!" erreicht man heute leider nichts mehr. Ipo verabschiedet sich erst dann, wenn er es für richtig hält.
Sich darauf konzentrieren, was man noch alles machen kann
Statt wehmütig der Zeit hinterher zu trauern, als er noch temperamentvoll über die Wiesen sprintete, verlegt sich Ipo auf andere Aufgaben, die ihn ausfüllen und ihm Erfolgserlebnisse verschaffen. Im Laufe der Jahre hat er sich vom mäßigen Leckerliverwerter zum Weltmeister im Betteln entwickelt. Mit seiner Abschlussquote würde er es in Verkäuferkreisen in den 100%-Club schaffen. Er nutzt jede kleine Gelegenheit sich nützlich zu machen und wenn er die Papierkörbe ausräumt, damit er die einzelnen Papierfetzten meistbietend abliefern kann. Für solche Aktionen hätten wir ihn früher getadelt, heute entlockt er uns ein Keks und ein Lächeln, denn es tut gut zu sehen mit welcher Lebensfreude Ipo noch immer durch den Tag geht.
Tipps zum Leben mit grauen Schnauzen:
- Bewegung - mäßig, aber
regelmäßig
Auch für Hunde gilt: Wer rastet, der rostet. Regelmäßige Spaziergänge sind auch für Hundesenioren wichtig. Allerdings muss man den Gesundheitszustand und die Tagesform des Tieres berücksichtigen. Lieber kürzere Wege wählen und dafür öfter an die frische Luft gehen.
- Ruhebedürfnis - ruhig mal auf der faulen Haut
liegen
Alte Hunde brauchen mehr Schlaf. Die Regenerationsphasen nach Spaziergängen oder Erkrankungen dauern deutlich länger. Hundesenioren lieben ruhige und gut ausgestattete Liegeplätze an denen sie ungestört in den Tiefschlaf versinken können. - Gesundheit - Vorsorge ist die beste Medizin
Ein regelmäßiger Check up beim Tierarzt verschafft Klarheit ob ein Verschleiß am Knochen- und Skelettsystem vorliegt und wie gut Herz und Lunge arbeiten. Leber und Niere kann man gut durch die Gabe homöopathischer Mittel unterstützen. - Hören, Sehen - den richtigen Umgang lernen
Nachlassendes Hör- und Sehvermögen bemerkt der Hundehalter meist selbst. Rückrufsignale während des Spaziergangs kann man durch Sichtzeichen ersetzen. Bei Einschränkungen des Sehvermögens muss der Hundehalter vorausschauend sein oder den Hund anleinen. - Pflege - regelmäßig
Zahn-, Ohren-, Krallen- und Fellpflege ist, wie in jungen Jahren, unerlässlich. Veränderungen am Fell, kleine Wunden oder Wucherungen sollte man beobachten und gegebenen Falls dem Tierarzt zeigen. - Ernährung - weniger ist mehr
Übergewicht ist bei alten Hunden besonders bedenklich. Die Nahrung sollte auf den geringeren Grundumsatz und verlangsamten Stoffwechsel angepasst werden. Qualitativ hochwertiges Futter und optimales Köpergewicht sind wichtige Garanten für Vitalität bis ins hohe Alter. - Kleidung - dem Schmuddelwetter trotzen
Nasskaltes Wetter wird vor allem bei Hunden mit Gelenkentzündungen nicht gut vertragen. Ein wärmender Hundemantel schafft Abhilfe. - Beschäftigung - Fitness fürs Gehirn
Ältere Hunde brauchen Anregungen, damit ihr Gehirn fit bleibt. Such- und Apportierspiele im Haus oder Garten schonen die Gelenke und regen die Gehirntätigkeit an. Langweilt sich der Hund, kommt er sich vielleicht überflüssig vor. - Verhalten - auch mal alle fünfe gerade sein
lassen
Leben Hund und Mensch seit vielen Jahren zusammen, sind sie ein eingespieltes Team. Viele sprechen vom blinden Verständnis füreinander. Ein alter Hund darf seinen Dickkopf schon mal durchsetzen solange der Mensch der Chef bleibt. Generell kann man älteren Hunden gegenüber toleranter sein, was seine Macken und Eigenheiten betrifft.
Hunde leben im Hier und Jetzt. Sie verweilen nicht im Gestern und denken nicht an morgen. Sie sind immer ganz bei dem, was sie gerade tun. Wenn wir uns diese Einstellung zueigen machen, ist das Älterwerden unseres Vierbeiners ein natürlicher Vorgang und wir können jeden Tag, jeden Moment mit ihm genießen.
© Autorin: Beate Schmöller / Fotos: Robert Schmöller
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Hunde Senior - na und?
AlohaIpo Verlag; ISBN: 978-3-941745-08; Preis: 9,95 Euro; erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag www.alohaipo.com
"Aloha auf vier Pfoten", so lauten die Titel der gleichnamigen Erzählreihe mit Geschichten aus dem Leben von Golden Retriever Ipo. Heiter, amüsant schildert der Vierbeiner bereits in fünf Büchern seine Sicht der Welt.
Die Neuerscheinung "Hunde Senior - na und?" ist ein Buch über Ipo in den besten Jahren. In vierzig amüsanten Kurzgeschichten erfahren Sie, wie ihm die Umstellung auf das Genusswandern gelingt, warum er seine Rolle als Seniorchef liebt und weshalb Liebesgeschichten keine Frage des Alters sind. Einmal mehr beweist der Vierbeiner sein Talent als Optimist. Zahlreiche Farbfotos zeigen, wie sehr Ipo das Rentnerdasein genießt. Ein positives Buch für alle, deren Hunde in die Jahre kommen oder bereits in den besten Jahren sind.
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