Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Entlastungen und finanzielle Hilfen für Ersatzpflege

Auszeit: Urlaubsanspruch für pflegende Angehörige

Senioren-PaarViele Angehörige und nahestehende Personen, die einen hilfsbedürftigen Menschen zu Hause betreuen und pflegen, gönnen sich selten eine Auszeit. Häufig, weil sie schlichtweg nicht wissen, wie sie dies organisieren sollen, ohne die Pflegeperson zu vernachlässigen. Dabei gibt es immer mehr konkrete Entlastungsangebote sowie einen gesetzlichen Urlaubsanspruch, außerdem finanzielle Hilfen bei Urlauben von der Pflege.

Schon ein paar Tage fernab des Alltags helfen, um neue Kraft zu tanken und Aufgaben, die zu Hause warten, besser zu meistern.  Dem deutschen Pflegeversicherungsgesetz zufolge stehen ehrenamtlichen Pflegepersonen vier Wochen Erholungsurlaub im Jahr zu. Ob Ersatzpflege, spezielle gemeinsame Urlaubsreisen oder Mobilitätshilfsdienste - die Entlastungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die Verbraucherzentrale NRW und die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege erklären, wer finanzielle Unterstützung von der Pflege beantragen kann, und geben dazu folgende Tipps:

Finanzielle Hilfen für Ersatzpflege während einer Abwesenheit

Egal, ob der Jahresurlaub, eine Familienfeier oder ein Arztbesuch anstehen: Pflegende Angehörige und ehrenamtliche Kräfte können sich bis zu 28 Tage im Jahr freinehmen. Kosten, die anfallen, weil der Hilfsbedürftige in Abwesenheit des Betreuers von einem Außenstehenden versorgt werden muss, übernehmen die Pflegekasse auf Antrag. Für die Ersatzpflege zahlt sie maximal 1.550 Euro im Jahr. Dies kann auch gelten, wenn der Helfer im Alltag von einem professionellen Dienst unterstützt wird. Ob Kranke viel oder wenig Beistand benötigen, also einer hohen oder niedrigen Pflegestufe zugeordnet sind, spielt bei der Berechnung der Leistung für die Auszeit keine Rolle. Will ein Pflegebedürftiger diese Unterstützung in Anspruch nehmen, muss der erholungssuchende Helfer allerdings seit mindestens sechs Monaten im Einsatz sein.

Verschiedene Formen der Ersatzpflege:

Wie die Ersatzpflege im Einzelfall organisiert wird, hängt von den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen ab:

Ersatzpflege zu Hause
Verlassen Hilfsbedürftige die gewohnte Umgebung nur ungern, ist es sinnvoll, jemanden zu beauftragen, der den Kranken zu Hause betreut, während der vertraute Helfer die Seele baumeln lässt. Diese sogenannte „Verhinderungspflege“ muss auch bei der Pflegekasse beantragt werden.

Ersatzpflege außer Haus
Wer nahe Angehörige rund um die Uhr versorgt wissen will, kann sich für eine Ersatzpflege außer Haus, beispielsweise in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung, entscheiden. Hierbei übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die Pflege. Unterkunft und Mahlzeiten müssen Hilfsbedürftige jedoch selbst zahlen. Auch Pflegeheime und Seniorenresidenzen häufig Betten auf Zeit bereit. Man sollte jedoch frühzeitig fragen, ob zum gewünschten Datum noch Plätze frei sind.

Urlaubsangebote für Pflegebedürftige
Mittlerweile gibt es auch immer mehr spezielle Urlaubsangebote für pflegebedürftige Menschen. Im Rahmen der Verhinderungspflege übernimmt die Pflegeversicherung hier auch einen Teil der Pflegekosten.

Geringere Förderung bei Urlaubsvertretung durch nahe Angehörige

Übernimmt ein Nachbar, Freund oder entfernter Verwandter die Ersatzpflege als Urlaubsvertretung, zahlt die Kasse ebenfalls den vollen Betrag. Springt jedoch ein Familienmitglied ersten oder zweiten Grades ein - dazu zählen zum Beispiel Schwester oder Schwiegersohn - gibt’s die Ersatzpflege nur in Höhe des Pflegegeldes, das abhängig von der Pflegestufe ist. Allerdings kommt die Kasse für Kosten auf, die der Urlaubsvertretung durch die Übernahme der Pflege anfallen, etwa für Kinderbetreuung oder die Anfahrt zum Pflegebedürftigen. Hintergrund: Der Gesetzgeber hält es für selbstverständlich, dass nahe Angehörige aushelfen, wenn’s brennt, und gewährt deshalb keine weitere Unterstützung.

Ersatzpflege auch tageweise möglich

Die Ersatzpflege muss nicht am Stück beansprucht werden. Vor allem für Angehörige, die sich um einen Demenzkranken kümmern, ist es oft sinnvoller, einzelne Urlaubstage statt mehrere Wochen am Stück zu nehmen. Wird eine Ersatzpflege für weniger als acht Stunden am Tag benötigt, darf diese den Betrag von 1.550 Euro nicht überschreiten. Die Begrenzung auf die 28 Tage entfällt. Auch das Pflegegeld wird bei stundenweiser Ersatzpflege weiter gezahlt.

Spezielle Angebote für gemeinsame Urlaube

Vielen Angehörigen fällt es schwer, pflegebedürftige Verwandte wie etwa den Ehepartner zu Hause zu lassen und alleine Urlaub zu machen. Wer nicht auf den gemeinsamen Urlaub verzichten will, kann den Pflegebedürftigen auch in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung am Urlaubsort unterbringen, sofern es dort eine entsprechende Wohnanlage gibt. Auf die besonderen Anforderungen einer gemeinsamen Unterbringung richten sich auch immer mehr Pflegehotels oder Pensionen ein. Außerdem werden Kurzausflüge und mehrtägige Reisen - meist gegen geringe Kostenbeteiligungen - zum Beispiel von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder regionalen Alzheimergesellschaften angeboten. So können Pflegepersonen und ihre Angehörigen Freizeitaktivitäten oder ein Wellnessangebot je nach Bedürfnis getrennt oder gemeinsam genießen.

Auch hier sollte man sich vor einer Urlaubsbuchung immer nach finanzieller Unterstützung der Pflegekasse erkundigen.

Diverse Mobilitätshilfsdienste für den Alltag

Auch sogenannte Mobilitätshilfsdienste helfen dabei, Abwechslung in den Pflegealltag zu bringen. Hierbei kann es sich um eine Begleitung zum Einkauf, zu einer kulturellen Veranstaltung oder zum Spazierengehen handeln. Diese Hilfsdienste werden beispielsweise von Kommunen oder Wohlfahrtverbänden organisiert und meist sehr kostengünstig oder sogar kostenlos angeboten. In Berlin gibt es sie auch als gesamtstädtisches Konzept.

Weitere Informationen und kostenlose Beratung:

  • Fragen zu Ersatzpflege beantwortet der dem Wohnort nächstgelegene Pflegestützpunkt. Im Einzelgespräch erläutern die Berater alle wichtigen Punkte zur Inanspruchnahme und Organisation.
    Kontakt im Internet unter www.pflegen-und-leben.de

  • Tipps zu spezialisierten Reiseveranstaltern und Pflegehotels sowie individuelle Beratungen zur Organisation eines Urlaubs bietet deutschlandweit neben den 450 Pflegestützpunkten für gesetzlich Versicherte auch die Compass-Pflegeberatung für privat Versicherte an unter www.compass-pflegeberatung.de.

  • Umfangreiche Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige und den Zugang zur Pflegeberatungsdatenbank bietet auch die Webseite der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege unter www.zqp.de.

  • Informationen rund ums Thema Pflege finden Interessenten auch auf den Seiten der Verbraucherzentrale NRW unter www.vz-nrw.de/pflegeurlaub.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quellen: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
               Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege
              

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