Sonntag, 22. September 2019
Sie sind hier:  Themen-Fenster Ratgeber > Gewährleistung wird...
 

Handel lässt Kunden oft im Stich

Gewährleistung wird beim Umtausch oft verwehrt

Flat Screen LCD MonitorWer eine defekte Ware umtauschen oder reparieren lassen möchte, erhält oft beim Handel nicht das Verbrauchern gesetzlich zustehende Gewährleistungsrecht. Gezeigt hat diesen gravierenden Mangel ein bundesweiter Test des Verbraucherzentrale Bundesverbands in 550 Filialen von sechs großen Einzelhandelsketten.

Viele Verkäufer bei den überprüften Discountern verwiesen die Testkunden stattdessen an die Hersteller der reklamierten Produkte. Gehen Käufer darauf ein, können ihnen jedoch erhebliche Nachteile und Kosten entstehen.


Viele Auskünfte in dem Praxistest waren ungenau, irreführend oder gar falsch, berichten die Verbraucherschützer. Gut 56 Prozent aller Verkäufer erfüllten ihre Gewährleistungspflichten nicht. Nur in knapp 44 Prozent aller Fälle wurde ein Gewährleistungsanspruch anerkannt.

 

Der gesetzliche Gewährleistungsanspruch schützt Verbraucher

Was auch viele Verbraucher nicht wissen: Der Gewährleistungsanspruch ist gesetzlich vorgeschrieben: Will ein Kunde eine defekte Ware innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf umtauschen oder reparieren lassen, muss der Verkäufer den Vorgang organisieren und bezahlen. Während der ersten sechs Monate nach dem Kauf muss der Kunde lediglich den entstandenen Schaden nachweisen - nicht aber, wann und warum dieser entstanden ist.

Discounter berufen sich auf nicht existente "Reklamationsfristen"

Viele Verkäufer verwiesen im Test ihre Kunden an die Hersteller. Unter anderem begründeten sie das damit, dass der Vorgang so schneller abgewickelt werde oder die "Reklamationsfrist" schon abgelaufen sei. 80 Prozent aller Verkäufer verweigerten im Test eine Gewährleistung wegen eines solchen Fristablaufs, den es im deutschen Gewährleistungsrecht gar nicht gibt.

Nachteile durch Nutzung von Herstellergarantie statt Gewährleistungsanspruch

Nimmt der Käufer eine freiwillige Herstellergarantie in Anspruch anstatt der ihm zustehenden Gewährleistung, können ihm dadurch Nachteile entstehen. Das Gewährleistungsrecht legt fest, dass die Zeit, in der das Gerät in Reparatur ist, nicht zur Gewährleistungsfrist zählt. Lässt ein Verbraucher also seinen MP3-Player reparieren, der nach vier Monaten nicht mehr funktionierte, und bekommt diesen erst nach einem Monat wieder zurück, hat er danach noch weitere 20 Monate Anspruch auf eine erneute Gewährleistung. Wird das Gerät gegen ein neues getauscht, beginnt die zweijährige Frist von vorne. Für die Herstellergarantie, die individuell festgelegt werden kann, gilt das meist nicht.

Falsche Inanspruchnahme kann für Kunden teuer werden

Auch bestimmte Folgerechte können nur im Rahmen der Gewährleistung durchgesetzt werden. Laut Gewährleistungsrecht muss der Verkäufer sämtliche Nebenkosten wie Versand oder Aus- und Einbau tragen. Erwirbt ein Verbraucher beispielsweise eine Spülmaschine, die nach der Montage einen irreparablen Mangel aufweist, muss der Verkäufer nicht nur eine neue Spülmaschine anliefern, sondern auch Aus- und Einbau übernehmen oder bezahlen. Bei der freiwilligen Garantie muss der Hersteller diese oft hohen Kosten nicht tragen - sie gehen zulasten des Verbrauchers.

Doch selbst da, wo im Test der Verbraucherzentrale ein Gewährleistungsanspruch anerkannt wurde, erfüllten die Verkäufer selten alle Pflichten wie die Übernahme von Folgekosten. Durch falsche oder zweideutige Aussagen der Mitarbeiter wurde bei den Testkunden zudem der Eindruck erweckt, dass Garantie und Gewährleistung dasselbe sei und der Verkäufer sich nicht um mangelhafte Ware kümmern müsse.

Ein Sprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbands fordert Aufklärung: "Mit dem Verweis auf den Hersteller stiehlt sich der Handel aus der Verantwortung. Er muss seine Mitarbeiter besser aufklären und sicherstellen, dass Verbraucher die Informationen und Pflichten erhalten, die ihnen zustehen."

Wissenswertes für Verbraucher:

Hier finden Sie die häufigsten Fragen und Antworten zum Gewährleistungsrecht ...



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle: vzbv

 

Schriftgröße ändern:
  • groß
  • mittel
  • normal
Kostenloser Newsletter:
Abonnieren Sie hier die
E-Mail-Nachrichten von serviceseiten50plus!
Kostenloser Newsletter
Eingang zum Club50plus
Nutzername:
Passwort:

Passwort vergessen?

Hier kostenfrei Mitglied werden!