Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Auf den Spuren des Dinkels

Radreise-Tipp: Der Grünkern-Radweg im Odenwald

Grünkern-Museum in Walldürn im OdenwaldAuf einer Länge von 40 Kilometern kann man zwischen Walldürn und Widdern im Odenwald durch die Felder radeln und mehr über Dinkel und seine Verarbeitung zu Grünkern erfahren - im wahrsten Sinne des Wortes. Entlang des Weges findet man zudem in Scheunen und Museen zahlreiche Zeugnisse der historischen Grünkerngewinnung. Und auch kulinarisch hat diese Radstrecke einiges zu bieten.

Die Geschichte des Grünkerns

Die Entdeckung des Grünkerns war eher zufällig und geht auf das Jahr 1660 zurück. Damals verdarb das Getreide in einem verregneten und nasskalten Sommer bereits vor der Reife, eine Hungersnot drohte. Die Bauern kamen auf die Idee, grünen Dinkel bereits während der "Milchreife", das heißt 14 Tage vor der eigentlichen Reife zu schneiden und die Körner im Backofen zu trocknen (zu "darren"). Bei dieser frühen Ernte haben die Körner eine grünliche Färbung, die auch nach dem Darren erhalten bleibt - daher auch der Name Grünkern.

Früher wurde der Grünkern noch mit der Sichel geerntet, die ganze Familie war dann eingespannt und arbeitete unter beißendem Qualm. Das Getreide wurde vor dem Darren über offenem Feuer erst durch einen großen Holzkamm gezogen, um Ähren und Spelz zu trennen. Das war harte Knochenarbeit, weshalb heute kaum mehr nach dieser alten Methode gedarrt wird. Stattdessen wird Dinkel maschinell bei etwa 160 Grad getrocknet. Die noch feuchten Körner laufen etwa fünf Stunden lang durch die Maschine, daneben wird ein Buchenfeuer entzündet. Der Rauch des brennenden Laubholzes zieht durch das Trockengut und erzeugt so den typisch würzigen Geschmack des Grünkerns.

Touren-Karte Grünkern-Radweg von Gottersdorf nach WiddernStationen auf dem Grünkern-Radweg

Entlang des Themenradwegs im südwestlichen Odenwald können Radfahrer viel Interessantes über diese frühere Herstellung des Grünkerns erfahren. Der Weg beginnt beim Odenwalder Freilandmuseum in Gottersdorf, einem Ortsteil von Walldürn und endet nach etwa 42 Kilometern in Widdern. Wer nicht dieselbe Strecke zurückfahren möchte, kann Teile anderer Rundwege benutzen. Der Grünkern-Weg ist in das überregionale Radwegenetz eingebunden.

Im Freilandmuseum Gottersdorf sind unter anderem historische Grünkerndarren aus Altheim und aus Sindolsheim und eine Dauerausstellung zur Geschichte und Gegenwart der Grünkernherstellung zu sehen. Im Walldürner Stadtteil Altheim können Besucher eine denkmalgeschützte "Darrenstrasse" entdecken. Die Darren, von denen Ende des 19. Jahrhunderts fast jeder Bauernhof Altheims eine eigene besaß, waren wegen der Feuergefahr meist am Dorfrand angesiedelt.

Mit seinen fünfzehn noch erhaltenen Grünkerndarren bietet der Ort heute das größte zusammenhängende Darren-Ensemble in der Region Bauland, der Heimat des Grünkerns. In einem der aneinander gereihten Darrhäuser im Oberen Hellerweg (an den Radweg angebunden) ist ein kleines Grünkern-Museum eingerichtet, das mit historischen Exponaten, Schautafeln und einer Diaschau über die Entstehung des Grünkerns, über Aussaat, Ernte, Gerätschaften und Vermarktung informiert.

Regionale Dinkel-Spezialitäten geniessen

Grünkern-Küchlein als VorspeiseDinkel wird in der Region Tauber-Franken auch "Spelz" oder "Schwabenkorn" genannt und kann dort auf eine 8.000 Jahre alte Tradition verweisen. Im "Bauland", in der Gegend um Boxberg, wird diese Urform des Weizens heute noch angebaut. Dinkel und Grünkern galten früher als wenig wohlschmeckend und wurden meist zu Suppen verarbeitet. Welche leckeren Gerichte sich aber aus dem Getreide zubereiten lassen, stellen die Gaststätten in der Region rund um Tauberbischofsheim und im Bauland um Boxberg unter Beweis. Alljährlicher Höhepunkt sind die "Odenwälder Grünkernwochen", bei denen Besucher aus Nah und Fern mit alllerlei kulinarischen Grünkernvariationen von deftig bis süß verwöhnt werden.

Übrigens: Dinkel ist auch äußerst gesund, das Getreide enthält Kohlehydrate, Fette, Eiweiße und Ballaststoffe in idealer Zusammensetzung. Vielleicht war es ja das, was die Distelhäuser Brauerei dazu brachte, das erste Dinkelbier in der Region Tauber-Franken zu kreieren - obergärig, rötlich in der Farbe, kräftig, süßlich und gehaltvoll im Geschmack. Die Bier-Spezialität aus Distelhausen, einem Stadtteil von Tauberbischofsheim, hat bereits beim European Beer Award eine Silber-Medaille errungen. Grund genug für Reisende auf dem Grünkern-Radweg, einen Abstecher in die Distelhäuser Brauerei machen. Bei einer Brauereiführung erfährt man dort viel über die Kunst des Brauens und kann zu leckeren regionalen Gerichten das preisgerkrönte Dinkelbier kosten - wenn das Wetter mitspielt auch im Brauerei-Biergarten.

Weitere Informationen zur Grünkern-Radtour:

Mehr über den Grünkern-Radweg erfahren Sie hier ...
und
mehr über die Distelhäuser-Brauereiführung hier ...



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus -

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