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Montag, 21. Mai 2012
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Wissenswertes zur Arzneipflanze des Jahres 2012

"Süßholz raspeln" - eine Redewendung aus der Medizin

Süßholz ist ein Heilmittel und ein LebensmittelSeine Wurzel wird für Lakritze, Kräuterliköre und Tees genutzt - und in Zukunft vielleicht auch für Medikamente gegen Virusinfektionen: Das Süßholz ist die Arzneipflanze des Jahres 2012, gekürt vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg, der diese Wahl seit 1999 bestimmt.

Die süße Staude hat eine interessante Geschichte und ist auch heute noch bedeutend, als Lebensmittel und Heilpflanze. Und diese Redewendung kennen wir alle: "Süßholz raspeln" - aber was bedeutet sie wirklich?


Erfahren Sie mehr über die Pflanze, der wir verabeitet täglich im Supermarkt, in der Drogerie oder Apotheke begegnen.

Süßholz-Wurzel: ein Arzneistoff und Lebensmittel

Das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Staude, die einen Meter hoch werden kann. Beheimatet ist sie im Mittelmeerraum, in Kleinasien und im Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland. Zwei weitere Arten sind in Ostasien heimisch. Süßholz wird fast überall in der Natur gesammelt. Für die Arznei- und Genussmittelherstellung wird es in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien und Südfrankreich auch angebaut.

Verwendet wird die Wurzel mit ihren Ausläufern. Sie besitzt sehr viele Inhaltsstoffe: 400 verschiedene sind bislang beschrieben. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen gehören Saponine (bis zu 15 Prozent) wie das Glycyrrhizin, das fast die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt.

“Süßholz raspeln“ - heilende Anwendungen von der Antike bis heute

Die auch heute noch häufig verwendete Redewendung "Süßholz raspeln" bedeutet, wie wir alle wissen, dass sich jemand einschmeicheln will. Tatsächlich spielt sie direkt auf die arzneiliche Wirkung der Süßholzwurzel an, wie Johannes Mayer vom Würzburger Studienkreis erklärt: "Eine Abkochung von zerkleinerter Süßholzwurzel als Tee getrunken, hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz." Denn das darin enthaltene Glycyrrhizin wirke unter anderem entzündungshemmend und schleimhautschützend.

In der Antike nutzten die Ägypter und Griechen die Pflanze unter anderem gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustbeschwerden. Im Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen dem Süßholz eine positive Wirkung auf die Psyche zu - ihr zufolge soll es den Menschen „mild stimmen“. Unter dem Namen "gan cao" ist Süßholz bis heute ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Es gehört dort zu den so genannten 50 Basiskräutern.

Außer in China wird Süßholz gegenwärtig in vielen anderen asiatischen Ländern medizinisch verwendet, etwa in Japan, Korea und Vietnam. In Ostasien setzt man es mit weiteren Stoffen auch bei Leberleiden wie Hepatitis und Leberzirrhose ein. "Zahlreiche Forschungsaktivitäten weltweit geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Süßholzwurzel in Zukunft auch für andere Anwendungsgebiete eingesetzt werden könnte, zum Beispiel bei Virusinfektionen", so Johannes Mayer.

Nachhaltige Wildsammlung schützt auch die Süßholz-Staude

Allein auf dem deutschen Markt werden pro Jahr etwa 100 Tonnen Süßholzwurzel als Bestandteil von Arzneitees konsumiert. "Generell ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit gesehen, sind die Deutschen sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top fünf", sagt Johannes Mayer.

Die Süßholzwurzel und viele andere Arzneipflanzen werden nicht nur angebaut, sondern auch in der Natur gesammelt. Das wirft Probleme der Nachhaltigkeit auf. Deshalb sollte die ortsansässige Bevölkerung bei Wildsammlungen eingebunden werden. Denn aus der Natur sollen ledgilich so viele Pflanzen entnommen werden, wie nachwachsen können. Nur so kann der Bestand auf lange Zeit genutzt werden und eine auskömmliche Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung sein. Diese Form der Rohstoffgewinnung nennt sich "kontrollierte, nachhaltige Wildsammlung". Dem Verbraucher wird dies neuerdings über das Produkt-Siegel "FairWild" signailisert.

Die bisherigen Arzneipflanzen des Jahres

Der Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" hat seit 1999 folgende Pflanzen zur Arzneipflanze des Jahres gekürt: Buchweizen, Arnika, Stechender Mäusedorn, Artischocke, Pfefferminze, Arzneikürbis, Thymian, Hopfen, Gemeine Rosskastanie, Fenchel, Efeu und Passionsblume.


Weitere Informationen auf serviceseiten50plus zu diesem Thema:

- Arzneipflanze des Jahres 2008: Die Rosskastanie

  hier lesen ...

- Kostenlose Broschüre: Naturmedizin - Heilpflanzen aus deutschen Landen

  hier lesen ...



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle: Universität Würzburg / © Foto: Michael Menke, Geographie Uni Würzburg

 

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