Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Schnelle Hilfe bei Ohnmacht und Stürzen

Neuartiges Alarmsystem erleichtert Senioren das Wohnen

Notfallsystem SafeHomeÄltere Menschen möchten meist so lange wie möglich unabhängig in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Doch gerade alleinstehende Seniorinnen und Senioren leben dann auch riskant: Etwa nach einem Sturz liegen sie oft zunächst hilflos mehrere Stunden am Boden. Ein neues Sensorsystem, das Forscher am Fraunhofer-Institut entwickelt haben, erkennt solche Notsituationen automatisch und alarmiert Angehörige, Nachbarn oder einen Pflegedienst.

Ein Beispiel aus dem Senioren-Alltag: Herr S. ist sehbeeinträchtigt und seit einem Schlaganfall auf einen Gehstock angewiesen. Dennoch möchte der alleinlebende Siebzigjährige nicht in ein Heim umziehen. Diesen Wunsch hegen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 70 Prozent aller Seniorinnen und Senioren in Deutschland - bereits heute leben mehr als 5,4 Millionen im Alter über 60 Jahren in Singlehaushalten.

Für diese Freiheit setzen sie, oft wissentlich, auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Denn mit dem Alter nehmen nicht nur Herz- und Kreislaufprobleme zu, auch das Sturzrisiko steigt. Schätzungen zufolge stürzen von den zu Hause lebenden über 65-Jährigen etwa 30 Prozent mindestens einmal jährlich. Bei den über 80-Jährigen sind es mehr als 40 Prozent.

Herkömmliche Notrufsysteme oft nicht tauglich

Viele Sturzunfälle passieren bei der täglichen Hausarbeit. Aber auch nachts verunglücken ältere Menschen, die wackelig auf den Beinen sind, häufig. Oft dauert es Stunden, bis den Betroffenen geholfen wird.

Einen herkömmlichen Hausnotruf können sie nicht immer auslösen, weil sie das Gerät nicht bei sich tragen, bewusstlos oder verletzt sind. Ein derartiger Alarm hilft also nur bedingt - ebenso wie am Körper getragene Sensoren. Diese reagieren mitunter schon auf schnelle Handbewegungen und sind daher besonders anfällig für Fehlalarme. Im Boden eingebaute Sensoren erkennen zwar Notfälle, sie lassen sich jedoch nur mit einem hohen baulichen und finanziellen Aufwand installieren.

Neuartige Hilfe in der Not - ein wartungsfreies, preiswertes Notfallsystem

Wirklich hilfreich für derartige Situationen wäre ein wartungsfreies System, das Notlagen automatisch erkennt und sich preiswert in jede Wohnung integrieren ließe, ohne den Bewohner in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken, war das Fazit einiger Forschern am Fraunhofer-Institut. Gemeinsam mit Projektpartnern entwickeln sie derzeit eine solche Lösung, die für Sicherheit in jedem Zimmer sorgt.

Bei dem neuen Alarmssystem "Safe@home" registrieren Sensorboxen von der Größe einer Pralinenschachtel, die ähnlich wie Rauchmelder an der Decke installiert werden, wenn eine Person stürzt oder Hilfe benötigt. Erkennt eine Box eine Notsituation, so informiert sie zuerst die Alarmeinheit in der Wohnung, die sogenannte "CareBox". Diese ruft dann unverzüglich Helfer herbei - per Telefon, Handy oder Internet.

Das System arbeitet mit optischen und akustischen Hochleistungssensoren, die Position und Lage einer Person sowie ihre Bewegungen innerhalb eines Raums ermitteln. Binnen Sekunden erkennt es Stürze und identifiziert Reglosigkeit, wenn es über einen bestimmten Zeitraum keine Bewegungen mehr feststellt. Auch auf Hilferufe reagiert das System.

Um einen Fehlalarm auszuschließen, wird der Bewohner zunächst von der CareBox angerufen. Eine Computer-Stimme fragt ihn nach seinem Befinden. Antwortet er, löscht er damit den Alarm. Nimmt er den Anruf nicht entgegen, wird der Alarm ausgelöst. In diesem Fall werden Angehörige, Nachbarn oder Pflegekräfte informiert.

Die Sensorboxen von "Safe@home" arbeiten unauffällig, automatisch und erfordern von den Nutzern keinerlei technische Kenntnisse oder Wartungsaufwand. Akkuwechsel, Aktivieren von Hardware - all dies ist nicht erforderlich. Auch die Privatsphäre wird gewahrt, da die Daten direkt im Sensor aus- gewertet und somit weder gespeichert noch übertragen werden müssen.

Test in Seniorenwohnungen läuft - Ende 2014 im Handel erhältlich

Seit Mitte 2012 werden Prototypen der Notfallerkennung in sechs Wohnungen in betreuten Anlagen für Senioren im 24-Stundenbetrieb auf ihre Praxistauglichkeit geprüft - bislang zur Zufriedenheit der Bewohner. Die Systeme funktionieren zuverlässig in jedem Raum, jeder Alltagssituation und können in jede Art von Wohnraum integriert werden. Ende 2014 soll "Safe@home" marktreif und dann auch im Handel erhältlich sein.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle u. Foto: Fraunhofer Gesellschat - Institut für Produktionstechnik und Automatisierung

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