Sonntag, 19. November 2017
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Innere Ruhe durch Sinneseindrücke

Eine Wohlfühl-Umgebung spornt das Gehirn an

Haus mit großem GartenOrte, an denen sich Menschen ruhig und ausgeglichen fühlen, fördern die Selbstreflexion, regen die Vorstellungskraft an und bringen Erholung. Was Psychologen lange wissen, bestätigen auch deutsche und britische Gehirnforscher. In der Fachzeitschrift "Neuroimage" berichten sie über die Ergebnisse eines Experiments, mit dem sie herausfinden wollten, wie sich verschiedene Umgebungen auf unsere Gehirnfunktionen auswirken.

Meeresblick fördert Selbstbesinnung
Innere Ruhe entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Sinneseindrücke. Die Forscher konzentrierten sich in ihrer Untersuchung vor allem auf den Sehsinn. Sie versetzten ihre Versuchspersonen in zwei verschiedene Situationen, die bei gleicher Geräuschkulisse völlig unterschiedlich auf die Psyche wirken: Einerseits ein Meeresstrand mit ständigem Rauschen von sich brechenden Wellen, andererseits eine Autobahn mit dröhnendem Verkehrslärm. Während die Versuchspersonen abwechselnd Bilder dieser Szenen sahen und dabei stets das gleiche Geräusch vorgespielt bekamen, scannten die Forscher ihre Gehirne.

Beim Anblick der Strandbilder traten die Gehirnregionen, die akustische Signale verarbeiten, viel stärker mit anderen Regionen in Austausch als beim Anblick der Autobahn. "Betroffen waren der mediale Stirnlappen und der hintere zinguläre Kortex. In diesen Regionen vermutet man die soziale und selbst-referenzielle Verarbeitung", berichtet Studienautor Simon Eickhoff vom Forschungszentrum Jülich in einem Interview mit dem Mediendienst Pressetext. Zudem sind diese Regionen dann aktiv, wenn der Mensch sich auf sich selbst konzentrieren kann und gerade eben nicht die Aufmerksamkeit auf äußere Dinge richtet.

Gehirn ist bei innerer Ruhe in Aktion
"Es verblüfft, dass Ruhe somit ein aktiver Zustand ist und nicht nur das Fehlen von Stressoren bedeutet", betont der Forscher. Subjektive Wahrnehmung lässt sich nicht messen, so eine weitere Erkenntnis. "Wir erleben nicht nur das, was auf unsere Sinnesorgane trifft, sondern auch was unser Gehirn daraus macht." Eine Umgebung kann demnach lauter sein als vorgesehen und trotzdem als angenehm empfunden werden, sofern sie entsprechend gestaltet wird. "Ein Extrembeispiel dafür ist ein lautes Konzert im Vergleich zum leiseren, jedoch als störender empfundenen Lärm eines vorbeifahrenden Zuges", so Eickhoff.

Welche Umgebung Menschen in diesen Ruhezustand versetzt, ist individuell sehr verschieden. "Viele nennen dafür eine offene Landschaft wie etwa das Meer oder die Natur, kaum hingegen von Menschen geschaffene Stadtumgebungen", erklärt Studienleiter Michael Hunter vom Sheffiled Cognition and Neuroimaging Laboratory. Es sei jedoch durchaus denkbar, dass gelungene Architektur oder Parks zu dieser Ausgeglichenheit beitragen. "In der Planung von Städten sollte man gezielt solche Orte schaffen", schlägt der Forscher vor.

Großzügigere Charaktere dank Zimmerpflanzen
Den Geisteszustand, den die Forscher mit dem Begriff "Tranquility" beschreiben, ist unter Psychologen gut bekannt. Umweltpsychologen loben an ihm die "ungerichtete Aufmerksamkeit", die er ermöglicht. So konnte in jüngeren Versuchen gezeigt werden, dass eine Naturumgebung - Zimmerpflanzen reichen hier bereits - bei manchen Menschen das Gemeinschaftsdenken und die Großzügigkeit steigert.



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -
- Quelle: Pressetext

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