Mittwoch, 22. November 2017
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Praxistipps für die Generation 50plus

Wohnen: Den altersgerechten Umbau richtig planen

RollatorEin Sturz oder eine schwere Erkrankung kann das Leben schlagartig verändern. Wer dann auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist oder sich altersbedingt nicht mehr sicher bewegen kann, muss seine Wohnräume gegebenenfalls zweckmäßig anpassen, um weiter barrierefrei in der vertrauten Umgebung leben zu können. Der Bauherren-Schutzbund e.V. erklärt, worauf dabei zu achten ist.

Die Basis: Umsichtige Planung

Grundlegend, um unnötige und damit kostentreibende Maßnahmen zu vermeiden, ist bei der altersgerechten Umgestaltung bzw. dem Umbau einer Wohnung oder eines Hauses die Orientierung an der individuellen Bedarfslage. Ungünstig ist eine mangelhafte Analyse: Wer nur die aktuelle Situation, jedoch nicht künftig zu erwartende Veränderungen oder Verschlechterungen in die Planung einbezieht, muss unter Umständen nachbessern. Weitsicht von Beginn an verhindert, dass eine Umbaumaßnahme der anderen folgt und ein gemütliches Heim zur Dauerbaustelle wird. Als Erstes sollte ein Fachmann daher alle Erfordernisse und Möglichkeiten prüfen, planen, besprechen und abwägen, bevor die Umgestaltung praktisch startet.

Unerlässlich: Besprechung mit allen Beteiligten

Bei Erkrankungen oder körperlicher Einschränkungen ist es unerlässlich, zusammen mit dem bzw. den Betroffenen, Betreuungspersonen oder dem Pflegepersonal eine Prognose aufzustellen, was in naher Zukunft an Platzbedarf und Hilfsmitteln notwendig wird. Oft wird beispielsweise vergessen, dass sich die bereits eingeschränkte Mobilität weiter verschlechtert und vielleicht sogar eine dauernde Bettlägerigkeit im Pflegebett zur Folge haben kann. Dann sind entsprechend große Türbreiten vorzusehen, durch die auch ein Pflegebett ins Schlafzimmer transportiert werden kann. Auch kann es sinnvoll sein, an Platz für eine ständige Pflegekraft zu denken.

Wichtig: Zugänge, Treppen, Schwellen bequem und hindernisfrei gestalten

  • Barrierefrei und ohne Stufen: So sieht der ideale Zugang zur Wohnung aus, den es in der Praxis aber nur selten gibt. Durch Rampen für Rollatoren und Rollstühle lassen sich Treppen überwinden. In besonderen Fällen können Treppenlifte zum Einsatz kommen. "Treppensteiger" für den mobilen Einsatz bewähren sich in der Praxis selten, da eine geübte Begleitperson erforderlich ist und dennoch Unfallgefahr bestehen bleibt. Bei Treppen mit Mindestlaufbreiten von 110 cm lassen sich Treppenlifte gut einbauen, bei schmaleren Treppen wird die Begehung für Normalnutzer schwieriger.
  • Im Treppenhaus, vor einem Aufzug oder im Eingangsbereich müssen die Aktionsradien für eine Rollstuhlnutzung geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. An den Eingangstüren lassen sich in der Regel Türautomatiken mit Motorantrieb nachrüsten.
  • Weitere Stolperstellen wie Balkonaustritte oder Türschwellen werden mit Edelstahlblechen oder Holzrampen leichter für Rollstühle überfahrbar.

 

Schwerpunkt: Bad und Toilette

  • Für ein selbstbestimmtes Leben spielen Körperpflege und WC-Nutzung eine wichtige Rolle. WC, Waschbecken und Dusche sollten möglichst in einem Raum untergebracht sein. Dafür kann man zum Beispiel ein bisher getrenntes WC mit dem Badezimmer durch die Herausnahme der Zwischenwand zusammenlegen. Wenn möglich, sollte der Sanitärbereich nicht nur vom Wohnungsflur, sondern auch vom Schlafzimmer aus erreichbar sein. Der Zugang muss für Rollator und Rollstuhl möglich sein, dann können auch Toilettenstühle durch die Öffnung gefahren werden. Standardtürmaße mit einem Durchgangsmaß von 82 cm sind dafür ausreichend.
  • Da Badewannen wegen des anstrengenden Ein- und Ausstiegs für ältere Bewohner schlecht geeignet sind, ist der Umbau zu einer bodenebenen Dusche ratsam. Dadurch vergrößert sich auch der Bewegungsraum im Bad, so dass die Nutzung mit Rollator oder Rollstuhl sowie einer Hilfsperson einfacher möglich wird.
  • Stützgriffe auf beiden Seiten des WC sowie im Duschbereich sind hilfreich. Oft wird vergessen, dass dafür eine stabile Unterkonstruktion erforderlich ist. Eine spätere Montage ist dann nur mit weiteren Hilfskonstruktionen möglich.
  • Im Deckenbereich über WC und Dusche geben Befestigungsmöglichkeiten für Halteschlaufen mehr Sicherheit.
  • Knackpunkt im Detail: Aufbauhöhe des Bad-Bodens bei Altbauten
    Typische Bodenaufbauten liegen im Altbau oft bei wenigen Zentimetern, was den Einbau einer bodenebenen Dusche erschwert. Aus Kostengründen niedrige Duschwannen einzubauen, ist wegen der Stolpergefahr nicht zu empfehlen. Besser ist die Schaffung eines neuen 13 bis 16 Zentimeter hohen Aufbaus mit ausreichendem Gefälle für die Bodenentwässerung - empfehlenswert sind zwei Prozent Gefälle. Je nach Fliese ist dennoch der Einsatz eines Wasserwischers sinnvoll. Da die Abdichtung von Boden und Wand sehr sorgfältig geplant und ausgeführt werden muss, sollten die Arbeiten von einem Fachmann begutachtet und überwacht werden. Der Höhenunterschied zum angrenzenden Raum lässt sich mit einer kleinen Rampe ausgleichen.

Sinnvoll: Rutschhemmende Fliesen senken Unfallgefahren

Der Boden im Sanitärbereich muss rutschhemmend ausgebildet werden. Leicht zu reinigende Fliesen sind oft sehr glatt, besser sind Fliesen mit leicht rauer rutschhemmender Oberfläche oder kleine Mosaikfliesen mit hohem Fugenanteil. Prüfzeugnisse für die Rutschfestigkeit sind vom Hersteller anzufordern. Badvorleger sind wegen erheblicher Stolper- und Rutschgefahr nicht empfehlenswert.

Bedenkenswert: Haustechnik und Arbeitsflächen

  • Im Bereich der Haustechnik ist die Möglichkeit eines Notrufs zu überdenken, der am einfachsten durch den Einsatz eines sogenannten Funkfinger – ein Sender - und einen Telefonanschluss zu realisieren ist.
  • Die Warmwasserversorgung sollte nach der neuen Trinkwasserverordnung ausgelegt und auch die Armaturen mit Thermostatventilen mit Verbrühungsschutz ausgestattet werden.
  • In der Küche können rollstuhlgerechte Arbeitsflächen durch den Ausbau von Unterschränken geschaffen werden.

Kostenlose Infoschrift "ABC Altersgerechter Umbau"

Weitere nützliche Informationen und Anregungen bietet der im Jahr 2015 erschienene kompakte Ratgeber "ABC Altersgerechter Umbau" des Bauherren-Schutzbund e.V.  

Hier finden Sie die Broschüre im Internet …



- REFR / Online-Redaktion serviceseiten50plus.de -

- Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V.

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