Donnerstag, 18. September 2014
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Neue Wohnform für Alt und Jung

Wohnen für Hilfe - die innovative Senioren-Studenten-WG

Seniorin mit StudentinDie einen haben, was die anderen suchen: "Wohnen für Hilfe" nennt sich ein schönes Projekt, das bereits in 19 deutschen Universitätsstädten praktiziert wird: Ältere Menschen stellen Studenten Wohnraum in ihrem Haus oder ihrer zu großen gewordenen Wohnung zur Verfügung. Dafür verpflichten sich die jungen Leute, den Senioren beim täglichen Leben behilflich zu sein.

Als Faustregel bei "Wohnen für Hilfe" gilt: Pro genutztem Quadratmeter Wohnraum leisten die Jungen monatlich eine Stunde Hilfe beim Einkaufen, Rasen mähen oder anderen alltäglichen Arbeiten. Nur die Mietnebenkosten tragen die Studenten selbst.

Um als Senior, Seniorin oder Senioren-Paar an dem Projekt teilnehmen zu können, muss man nicht hilfsbedürftig oder gebrechlich sein. Oft wünschen sich die älteren Vermieter auch nur ein wenig mehr Leben im Haus und Gesellschaft um sich herum. So sind dann auch die geleisteten Hilfen abhängig von den individuellen Bedürfnissen und Abmachungen zwischen Senior und Student. Meistens geht es neben gemeinsamen Unternehmungen vor allem um die kleinen Dinge des Alltags wie Rasen mähen, Einkaufen, kleine Reparaturarbeiten, Behördengänge oder Begleitung zu Arztbesuchen. - Pflegedienste sind ausdrücklich ausgeschlossen.

Die allein lebende Seniorin Elisabeth Krause und ihre junge Mieterin Laura

Die 93-jährige Elisabeth Krause wohnt gemeinsam mit der Studentin Laura aus Rumänien in einer 76 Quadratmeter Wohnung in Köln. Laura hat hier ihr eigenes 14 Quadratmeter Zimmer - Küche, Bad und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Frau Krause ist es vor allem wichtig, dass jemand nachts da ist. Dass Laura im Zimmer nebenan schläft, ist für sie "eine große Beruhigung". Darüber hinaus hat die junge Frau kaum feste Aufgaben. "Morgens hole ich die Zeitung und Post aus dem Briefkasten und manchmal begleite ich Frau Krause zum Arzt oder bringe sie zur Kirche." Was darüber hinausgeht, ist freiwillig.

Oft sitzen die beiden abends zusammen im Wohnzimmer und unterhalten sich oder hören Opern. "Am liebsten von Verdi." Wenn Laura kocht, isst Frau Krause mit, und als die junge Mitbewohnerin neulich ein paar Tage im Urlaub war, hat die alte Dame sie schon etwas vermisst: "Ich habe mich so daran gewohnt, dass sie da ist. Da kommt mir die Wohnung gleich viel leerer vor, wenn sie ein paar Tage fort ist."

Für Frau Krause war es am Anfang nicht einfach ihre Wohnung mit einer fremden Person zu teilen - aber nachdem sich beide besser kennengelernt haben ist das Vertrauen gewachsen und eine Freundschaft entstanden.

Senioren-Ehepaar Schulze und Student Thomas

Auf einer etwas anderen Basis lebt der Kölner Student Thomas im Haus von Ehepaar Schulze. Thomas wohnt dort in einer abgetrennten Souterrainwohnung mit eigener Küchenzeile und Bad. Für die 25 Quadratmeter Wohnraum muss er dem Ehepaar 25 Stunden im Monat zur Seite stehen. Schulzes sind beide über 60 und noch berufstätig. Sie könnten Ihren Alltag problemlos alleine meistern, allerdings ist oft die Zeit und Lust für einige Haushaltstätigkeiten nicht vorhanden. Dafür ist Thomas zuständig, er übernimmt zum Beispiel das Bügeln, putzt die Fenster und mäht den Rasen.

Wenn das Ehepaar im Urlaub ist, wissen sie ihr Haus in guten Händen: Thomas leert den Briefkasten und gießt die Blumen: "Es ist eine große Erleichterung, Thomas im Haus zu haben und wenn mal weniger als 25 Stunden im Monat anfallen, drücken wir beide Augen zu - solange alles erledigt ist und wir uns auf ihn verlassen können." Auch Thomas ist zufrieden mit der Wohnpartnerschaft: "Endlich habe ich keine Sorge mehr, wie ich meine Miete bezahlen soll. Ich fühle mich wohl bei Familie Schulz – wir verstehen uns wirklich gut."

Bei Problemen in der WG beraten die Betreuer des Projektes

Natürlich läuft es nicht immer so reibungslos wie in diesen beiden Beispielen. Gelegentlich gibt es auch Sand im Getriebe des gemeinsamen Alltags der Rentner und ihrer studentischen Untermieter. Allerdings stehen die Projektmitarbeiter stets beratend zur Seite und helfen in Krisensituationen. Die meisten Konflikte entstehen, wenn die WG-Parteien allzu unterschiedliche Vorstellungen haben. Sandra Wiegeler - Projektmitarbeiterin in Köln - hat schon bei einigen Schwierigkeiten vermittelt: "Manche Senioren verstehen nicht, dass die Studenten auch lernen müssen und nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen können. Daher ist es wichtig, dass die Wohnpartnerschaften die Zeiten, in denen der Student helfen kann, gut miteinander absprechen. Den jungen Leuten ist der Weg zum Einfamilienhaus in den Kölner Vorort oft zu weit, sodass Wohnräume, die nicht ganz zentral liegen, manchmal schwieriger zu vermitteln sind."

Erfolgsfaktoren im Wohn-Projekt: eine gute Vorbereitung und der WG-Start

Die meisten Probleme zwischen den Senioren und ihren jungen Mietern entstehen in der Anfangszeit des Zusammenlebens. "Sobald sich der Alltag in einer Alt-Jung-Wohnpartnerschaft eingespielt hat und man sich an den anderen gewöhnt hat, verschwinden die Schwierigkeiten zumeist", weiß Judith Kropp, ebenfalls Mitarbeiterin im Kölner Wohnen-für-Hilfe-Projekt, aus den bisher gemachten Erfahrungen zu berichten.

Wichtig ist auch eine gute Vermittlungsarbeit. So müssen sich in Köln die Studenten persönlich vorstellen. Anhand eines Fragebogens wird festgehalten, welche sozialen Vorerfahrungen die Studenten haben, warum sie an dem Projekt teilnehmen möchten und welche Vorstellungen sie bezüglich des Wohnpartners und der Räumlichkeiten haben. Bei den Senioren machen die beiden Diplom-Heilpädagoginnen aus Köln Hausbesuche, um das Wohnangebot und die Wohnraum-Anbieter sowie deren Wünsche und Erwartungen an einen jungen Mieter kennenzulernen.

Weitere Informationen über "Wohnen für Hilfe"

Mittlerweile wird das Projekt "Wohnen für Hilfe" in 19 deutschen Universitätsstädten erfolgreich praktiziert: Bamberg, Aachen, Düsseldorf, Erlangen, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Jena, Karlsruhe, Köln, Marburg, München, Münster, Paderborn, Saarbrücken, Siegen, Stuttgart, Tübingen und Würzburg.


Mehr zu "Wohnen für Hilfe", den Standorten und Kontaktpersonen gibt hier ...



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